Die Rabenkrähe.
Das erste, was er hörte, als er aufwachte, war wieder das Käuzchen, und es rief immer noch: »Bliw hier, bliw hier!«
Er ging in den Hof und wusch sich am Sood; als der Morgenwind ihm das Gesicht abtrocknete, machte ihm die Eule vom Speicherdache einen Diener, rief noch einmal: »Bliw hier!« und verschwand im Uhlenloche.
Ein gelbbunter Schäferhund kam aus dem Hause, sah den Fremden erst mißtrauisch an und umging ihn, aber so wie er unter Wind kam, wedelte er, kam heran und ließ sich abliebeln.
Nordhoff, der grade aus der großen Türe trat, machte runde Augen, als er das sah, denn Strom ging sonst ganz selten zu fremden Leuten, und es war dem Wirte immer ein Zeichen, wie er einen Menschen einschätzen sollte, je nachdem der Hund sich dazu stellte.
Darum machte er die Lippen auf und sagte: »Na, gut geschlafen?« Volkmann nickte und der Krüger fuhr fort: »Denn haben Sie wohl auch Hunger; wollen Sie Kaffee oder Grütze? Wir sind hier nämlich noch von der altväterischen Art.« Sein Gast lachte: »Ich auch; ich habe früher gar nichts anderes zur Morgenzeit gegessen,« antwortete er im Haidjerplatt. »Na, dann essen Sie mit uns,« kam es zurück.
»Er spricht platt, also gehört er zu unserer Art«, dachte Nordhoff, und als nachher Lieschen, seine jüngste Tochter, ein scheues Kind, ohne sich zu zieren dem Fremden das Händchen gab und sich auf den Schoß nehmen ließ, sah er seinen Gast mit ganz anderen Augen an, als am Abend vorher.
Schlag acht war Volkmann auf Tormanns Hof. Er hatte sich den Bart abgenommen, sich gründlich abgebürstet, seine Schuhe geputzt und sah wieder ganz anständig aus. Als er auf die Deele trat, kam ihm eine riesenhafte Frau von gewaltigem Leibesumfang entgegen, die aber ein Gesicht hatte, wie die liebe Güte selber.