»Herzlich willkommen,« rief sie mit einer so dünnen Stimme, daß Volkmann erst dachte, jemand anders hätte das gerufen: »Garberding kommt gleich; setzen Sie sich so lange.«
Gleich darauf kam der Vorsteher, begrüßte seinen Gast und ging mit ihm in die Dönze; »Schade, daß Sie nicht etwas besser im Zeuge sind; der Hut ist ziemlich alle.« Er langte in den Schrank. »Der paßt wohl; er ist noch ganz neu. Und hier ist ein reines Halstuch; das sieht gleich ordentlicher aus, und da ist ein Handstock. Übrigens: meiner Frau habe ich so ungefähr Bescheid gesagt; aus der kommt nichts wieder heraus. Ein bißchen frühstücken wollen wir aber erst einmal. Hier ist Feder und Tinte; da können Sie an den schreiben, der vor Gericht aussagen kann, daß Sie der richtige Erbe sind.«
Volkmann setzte sich an den Schreibtisch und überlegte. Der Rechtsanwalt Freimut fiel ihm ein. Als er am Abend vorher den Namen hörte, hatte er sich bei dem Vorsteher danach erkundigt. Er hatte mit dem Baumeister Schönewolf die Reethagener Jagd.
Volkmann kannte ihn aus einem Verein; näher war er ihm aber nicht gekommen. Das geschah erst an dem Tage, als das Urteil gesprochen wurde. Volkmann sah es noch, als wenn es erst drei Tage her gewesen wäre, wie der lange Mann quer durch den Schwurgerichtssaal storchte, daß sein blonder Bart nur so flog, und ihm mit Tränen in den Augen die Hand schüttelte.
Er wußte, wenn einer, so würde der ihm in jeder Weise beistehen, und so schrieb er ihm in diesem Sinne.
»Du lieber Himmel,« sagte Frau Garberding draußen zu ihrem Manne; »es geht doch nirgendswo toller her, als auf der Welt! Was für Takelzeug läuft auf freiem Fuße herum, und diesem Manne da mußte es so gehen.«
Sie stellte das Frühstück hin, und obzwar es erst zwei Stunden her war, daß Volkmann gegessen hatte, so konnte die Bäuerin so gutherzig bitten, zuzulangen, daß ihr Gast herzhaft einhieb.
Der Bauer stellte ihm Zigarren und Streichhölzer hin, zog sich die bessere Jacke an, langte seinen Stock her und sagte: »So, von mir aus kann es losgehen!«
Es war ein schöner Vormittag; die Luft war rein und der Himmel blau und weiß, die Vögel sangen und die Hähne krähten vor Wähligkeit. Der Weg führte zwischen den Wiesen und der Haide hin, so daß Feldlerchen und Dullerchen durcheinander sangen.
Eine Viertelstunde waren sie gegangen, da machte der Vorsteher halt, zeigte auf den Graben vor ihnen und sagte: »Hier hört mein Besitz auf und da fängt Ihrer an, und das ist der Hilgenhof.« Dabei wies er auf einen Busch, der auf dem Berge lag, und aus dessen Bäumen ein weißes Fachwerkhaus mit schwarzen Balken hervorsah, und auf das der Weg zulief.