Die Meise.

Es war wie ein Gewitterregen nach dürren Wochen für den Bauern, als Ende Januar eines Vormittags Freimut auf dem Hilgenhofe auftauchte, zwei große Koffer abladen ließ und lostrompetete:

»Sintemalen und alldieweil Aurelie Grimpe geborene Sziembowska, geschiedene Juckenack und entlaufene Grimpe durch Abwesenheit glänzt, ist ja für mich wohl auf vierzehn Tage Platz. Jetzt ist die Zeit, wo die Betze rennt, jetzt wird auf den Fuchs gepirscht und die wilde Aante beschlichen. Mann, ich bringe den Vorfrühling mit. Hört, kaum bin ich da, so singt die Speckmeise schon im saueren Appelbaum!

Und Mehls ist auf der Strecke. Ha la lit! Da ligget dat Schinneaas in'n Graben! Zwei und ein halbes Jährchen wegen qualifizierter Qualifiziertheiten in idealer Konkurrenz mit höherer Gemeinerei.

Was gibt es zu Mittag? Weiße Bohnen mit 'nen Schinkenknochen mit was daran? Gestern habe ich mich durch acht Gänge durchgehungert und mein Trost waren meine Nachbarinnen, die aufgebrochen jede ihre zwei Zentner wogen.«

Er legte Volkmann die Hände auf die Schultern, sah ihn an, schüttelte den Kopf und sprach: »Stark abgekommen seit dem Spätherbst! Zu eintönige Äsung! Zu regelmäßig gelebt! Ist keine Sache für unsereins, nur für das Stallvieh, die Philister; wir kriegen die Mauke, geht es uns andauernd gut.

Schönewolf läßt grüßen; elende Jagd im Pharaonenlande: Schakale nennen sie's, räudige Dorffixe sind es; Nilkrokodile gibt es bloß im Berliner Zoologischen Garten lebendig, da unten nur als Mumjen. Hyänen nur im Kellnerfrack; alles Schwindel bis auf das, was Cheops und seine blassen Nachkommen mimten.

Aber, Mann, Ihr gefallt mir mies; seht ebenso bleich- wie süchtig aus. Ja, man soll heiraten; ich tät's auch gern, bin bloß noch zu rüstig. Und dann, wer weiß, ob nicht das dicke Ende nachgehinkt kommt. Meine liebe Frau Mutter sagt immer: ›Jochimchen, sieh doch bloß zu, daß du von der Straße kommst!‹ Ist nicht so einfach, wie es aussieht; ist man erst aus dem Schneider, dann sieht man nicht bloß auf die Hübschigkeit. Und dann hab' ich so viel zu tun! Weiß der Deuwel, warum die Menschen sich nicht vertragen können, daß ich gar keine Zeit habe, mich zu verschießen. Hurra, da kommt die Suppe; Mutter, meinen großen Löffel!«

So redete er, indem er Aurelies Dönze mit dem Inhalte seiner Koffer verschönte. »Dieses hier wollen wir alles austrinken«, sagte er und zeigte auf eine stattliche Reihe blankhäuptiger Flaschen, »und hiervon nehme ich nichts wieder mit,« und er wies auf die Zigarrenkisten und Konservenbüchsen.

»Und mein Jagdzeug bleibt alles hier; was noch bei Vatter Nordhoff ist, das bringen wir heute abend mit. Mann, so tut doch endlich einmal das Geäse auf! Sagt nichts und grient, wie ein Honigkuchenpferd! Jawollja, Frau Lembke, wir sind da!«