Ein und ein halbes Jahr war Margerit Lüders Frau gewesen; in der ganzen Zeit hatte sie ihm nicht ein einziges Mal eine Minute Verdruß bereitet, keinmal hatte er sich ihrer zu schämen brauchen, trotzdem sie die Tochter eines trunksüchtigen Fallenstellers war und ihre Brüder arme Holzarbeiter waren, denn das Stammeshäuptlingsblut, das sie von ihrer Mutter her hatte, war stark in ihr geblieben, und seitdem sie des deutschen Mannes Ehefrau geworden war, zeigte sie vor der Welt eine Würde, als hätte sie nie Waldbeeren in den Lagern feilgeboten.
Eines Tages war ein ganzer Trupp englischer Lachsangler vor dem Blockhause erschienen, die Herren in karrierten Anzügen und ihre Damen mit seidenen Schleiern an den Panamas, um sich den deutschen Trapper anzusehen, der mit einem indianischen Weibe verheiratet war. Margerit hatte sie mit Tee, Gebäck und Honig bewirtet und mit so liebenswürdigem Hochmute darüber hinweggesehen, daß die Engländerinnen mit Lüder, der frisch rasiert war und eine reine Bluse anhatte, recht unverschämt liebäugelten, sehr zum Ärger der Männer, daß Volkmann sich das Lachen kaum verbeißen konnte.
Die Engländer hatten ihn und sie eingeladen, sie in ihrem Zeltlager am Flußeinlaufe der Seebucht zu besuchen, doch hatte er abgelehnt, worüber Margerit sehr froh war.
Eine Lungenentzündung hatte sie ihm genommen, sie und das Kind, das sie erwartete.
Er hatte so manches Mal, wenn er die Sohlen durch den Staub der Landstraße schleppte, gedacht, daß das das beste für sie beide war, nun aber war er anderer Meinung.
Sie, die Frau, die in ihm alles sah, was es auf der Welt für sie gab, die nichts wollte, als daß es ihm schmeckte und er sie dafür anlächelte, die im Blockhause seine demütige Magd war, die erst aß, wenn er satt war, sie war das Weib für ihn, den verlorenen Mann.
Das Mädchen mit dem goldenen Haare und der Stimme, wie Rotkehlchensang im frühtaufrischen Walde, deren rotes Blut unter seinem Messer auf ihren weißen Fuß geperlt war, was war sie ihm anders, denn ein heller Traum in dunkler Nacht, der vor dem scharfen Tageslichte dahinschwand, wie der Tau auf der Flur.
Schwarze Fittiche schlugen gegen seine Stirne, und laut quarrten die Winterkrähen.