Erst, als er gesättigt war, und sie ihm die Pfeife gestopft und einen glühenden Zweig gereicht hatte, kauerte sie sich mit dem Gesichte gegen die dunkle Ecke des Blockhauses, aß lautlos den Rest von Braten und Brot und trank ohne einen Laut eine Tasse Tee durch das Stückchen Kandis, das sie zwischen den Lippen hielt.

Anderthalb Jahre war sie die Gefährtin des einsamen Mannes mit der verregneten Vergangenheit und der ausgewinterten Zukunft gewesen; wie sein Schatten war sie.

Wenn die schwarzen Gedanken um seine Stirne flogen und er auf den Hirschdecken lag und rauchend vor sich hinbrütete, dann kauerte sie bei ihrer Näharbeit und sah durch ihre langen Augenwimpern mitleidig auf ihn; flog aber das schwarze Geflügel von dannen, pfiff er ein Lied und nahm das Schnitzmesser her, und sah er sie dann an, dann färbten sich ihre Backen rot und ihre Augen waren voll von demutsvoller Zärtlichkeit.

Wenn er sie auf seine Knie zog, dann bebte sie, und wenn er morgens erwachte und sich den Nachtschlaf fortgähnte, dann stand sie schon neben dem Block, auf dem die Waschbütte mit dem stubenwarmen Wasser stand, hatte den aufgetrennten Brotsack in der Hand, der ihm als Handtuch diente, und auf dem Feuer kochte die Wildsuppe. Wenn er ihr dann lächelnd zunickte und sie heranwinkte, dann glühte ihr Gesicht und der Kuß, der seine Stirne streifte, war wie der Hauch des Südwindes, der im Mai über das blumige Ufer kam.

»Margerit, meine kleine Margerit!« dachte er und sah auf die Ofenplatte, in der das springende Pferd schwarz auf glührotem Grunde stand. »Ich war dein Glück und du bist mein Trost gewesen.«

Eines Tages im Mai, als der Waldboden bunt wurde, war ein Handelsjude mit seinem Planwagen angefahren gekommen und hatte allerlei Tand feilgeboten; Lüder hatte Stoff zu zwei Kleidern für das Mädchen gekauft, blitzende Ohrringe und eine funkelnde Brosche, bunte Glasperlenschnüre für ihr Haar und allerlei Schürzen und Tücher, eines immer greller als das andere.

Margerit hatte durcheinander gelacht und geweint und ihm die Hände küssen wollen, wie man es sie als Kind in der Schule gelehrt hatte. Er aber hatte sich aus dem Kasten des Händlers noch zwei silberne Ringe herausgesucht, an denen keine Steine waren, einen weiten und einen engen, und war mit ihr und Quivive nach dem Lager gegangen, wo, wie der Jude erzählt hatte, ein Wanderprediger das bißchen Halbchristentum der indianischen Holzfäller auffrischte.

Margerit hatte erst gar nicht begriffen, was es heißen sollte, daß sie in dem kleinen Zelte vor dem Mann mit dem schwarzen Rocke und den hohen Stiefeln neben Lüder hinknien sollte, aber als der fremde Mann sie fragte, ob sie des Trappers Lüder Volkmann christliches Eheweib werden wollte, da hatte sie ein Gesicht gemacht, als spräche die Stimme des großen Geistes zu ihr und hatte am ganzen Leibe gezittert, als sie den Ring an den Finger bekam.

Als ihre Brüder und die anderen Holzfäller, die Lüder zu einem Festmahle geladen hatte, sie mit einem »Vive 'sjö, vive m'dame« begrüßten, ein altes indianisches Hochzeitslied herausgurgelten und weiße Waldblumen vor ihre Füße warfen, hatte sie die Augen nicht aufgeschlagen und geweint, daß ihr die Tränen über das Gesicht liefen, bis Lüder sie oben an den Tisch führte, wo für sie und den Prediger ein weißes Tischtuch aufgelegt war; da endlich hatte sie aufgesehen und ihre rechte Hand neben seine gelegt, mit der linken Hand über beide Ringe gestrichen und ihren Kopf auf einen Augenblick an seine Schulter gelegt.

Da hatte plötzlich auch Lebleu dagestanden, zitternd vor Erregung, Lüder die Hand gegeben, sich unten an den Tisch gesetzt und so gern er sich auch sonst voll und toll trank, keinen Schnaps angerührt, ehe Lüder und Margerit aufbrachen; dann aber hatte er sich so voll gesogen, daß er drei Tage schlief.