Die fremden Arbeiter, die gut verdienten, saßen in den Wirtschaften vornan und es verging keine Woche, ohne daß es eine böse Schlägerei zwischen ihnen und den jungen Leuten aus dem Dorfe gab; dem Wirt in Hülsingen wurde das halbe Haus zerschlagen, in Kronshagen wurde einem Anbauernsohne ein Auge ausgestochen, in Altmühlen kam es zu einer wahren Völkerschlacht, wobei es acht Schwerverwundete und einen Toten gab, und bei Schütthusen wurde die Frau des Schneiders Mögebier ermordet und beraubt im Busche gefunden.

Bald hier, bald da wurde eingebrochen, Vieh verschwand von der Weide, Wäsche von der Bleiche, überall wurde gewildert, die Brandstiftungen nahmen kein Ende, denn die Landstraßen waren lebendig voll von verdächtigem Volke, und wer nicht gab, der hatte den Schaden.

So dankten die Reethagener es ihrem Schöpfer, daß der Hilgenbauer sie vor dem Abschlusse bewahrt hatte, denn bei ihnen war noch ein ruhiges Leben möglich.

Da nun Volkmann bis auf die Schmisse in seinem Gesichte ganz so wie ein richtiger Bauer war, auch ursprünglich aus der Gegend stammte und jedem gefällig war mit Rat und Abfassen von Schriftsätzen an die Behörden, und die Leute, denen daran lag, ihn in den Graben zu werfen, verschwunden waren, so stand er im Herbste anders da, als das Jahr vorher, und er hätte überall anklopfen können, wo eine Tochter war.

Der Vorsteher und seine Frau ließen es an Anspielungen nicht fehlen, und er selbst sah ein, daß er nicht länger ledig bleiben dürfe; aber wenn er auch hier und da eine Bauerntochter antraf, die ihm ganz gut gefiel, sowie sie den Mund auftat, sah er einen Graben zwischen sich und ihr, denn dann fiel ihm die Stimme ein, die an jenem Vormittag im April an seiner Schulter gefragt hatte: »Ich bin Ihnen wohl recht schwer?«

Nicht, daß er mit Hoffnung an das schöne Mädchen, das wohl längst Frau und Mutter war, dachte, aber sie war ihm der Maßstab, den er überall anlegte, wo er mit einem Mädchen zusammenkam, die auf den Hilgenhof gepaßt hätte. Da er nun schwer arbeitete, dem Vorsteher alle Schreibereien abnahm und alle weiten Wege, so daß er abends meist schon einschlief, ehe er beide Beine unter der Decke hatte, so kam es ihm wenig in den Sinn, daß er ein einsamer Mann war.

Hatte er das Bedürfnis, mit einem Frauenzimmer zu reden, so ging er in das Häuslingshaus und freute sich an der fixen Frau Ramaker, die Zwillinge zu versorgen hatte und doch mit der vielen Arbeit zu Gange kam, oder er saß bei Garberdings und schnackte mit der Bäuerin oder er blieb eine Stunde im Kruge und erzählte sich etwas mit den Frauensleuten, denn Nordhoff ging nur in die Gaststube, wenn er mußte.

Mit dem Vorsteher wurde es wieder schlechter, als es auf den Winter zuging, und so entbot er die sechs Vollmeier zu sich, sagte ihnen, er könne nicht mehr länger Vorsteher sein und fragte sie, wer der Gemeinde wohl am besten anstehe.

»Am besten wäre Volkmann,« meinte Röpke, »wenn die Regierung nur keine Bedenken hat.«

Der Vorsteher schüttelte den Kopf: »Das hat sie nicht; was ihm zugestoßen ist, gilt mehr als ein Unglück, als eine, ja, na, als etwas, das nicht ehrenhaft ist. Ich habe mit dem Landrate lang und breit darüber gesprochen. Und meine Meinung ist: einen besseren Vorsteher kriegen wir nicht; er steht gut da, hat mehr gelernt, als wir alle zusammen, reibt es aber keinem unter die Nase, er schickt sich ganz in unsere Art, ist gefällig, wie nur einer, und er hat die Gemeinde vor großem Schaden bewahrt. Und da ihr ja alle meiner Meinung seid, ist es das beste, ihr beredet euch mit den anderen, damit er einstimmig gewählt wird, denn ohne das, glaube ich, nimmt er nicht an.«