Der Plan lief nach Wunsch aus; Garberding legte sein Amt nieder, und der Hilgenbauer wurde einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt. Volkmann wurde erst blaß und dann rot, als er gewählt wurde, und er wußte erst nicht, ob er annehmen sollte. Da stand Garberding auf und sprach:

»Ich weiß, warum unser Freund sich bedenkt, und viele, ja wohl die meisten von uns, werden es auch wissen. Es steht mancher Mann hoch in Ansehen, dessen Hand ich nicht in meiner haben will, und mancher Mann gilt nicht für ehrenhaft vor der Welt, zu dem ich mich liebendgern an den Tisch setze. Was bedarf es noch vieler Worte? Wir haben unser eigenes Recht, das älter ist als die Gesetze, die in den Büchern stehen und manches Mal gar nicht auf unsere Art passen. Unser erstes Gesetz heißt die Gemeinde, das ist das Haupt; alles andere liegt weit weg. Und wenn ich, der ich meinen Freund durch und durch kenne, keinen lieber, als ihn, hier sehe, wo ich jetzt bin, und wenn der Herr Landrat ebenfalls der Ansicht ist, daß wir keinen besseren Vorsteher kriegen, so kannst du,« und damit drehte er sich nach Volkmann und gab ihm die Hand, »meinen Glückwunsch getrost annehmen.«

Als Vorsteher Volkmann aus der Versammlung nach Hause ging, mußte er immer an den Tag denken, an dem er auf dem Haidberge lag und dem Ortolan zuhörte, der in der Birke saß und sang.

Ein Landstreicher war er damals gewesen, ein heimatloser Mann, den jeder Gendarm stellen und nach seinen Papieren fragen durfte; jetzt hatte ihm die ganze Bauernschaft eine Ehre angetan, die er, der Bauern kannte, nach ihrem vollen Werte einschätzen konnte.

Als er auf den Hof trat, ging ihm Ramaker entgegen; die Augen des Häuslings glänzten, und er stotterte vor Aufregung, als er dem Bauern Glück wünschte, denn als er in der Haide Plaggen haute, war der Briefträger mit dem Rade den Pattweg heruntergekommen und hatte ihm zugerufen: »Den Bauern haben sie zum Vorsteher gemacht!«

Auch Frau Ramaker lachte über ihr ganzes rundes Gesicht, gab ihm die Hand, sagte: »Viel Glück auch!« und warf hinterher: »Wie sagt man denn jetzt: Bauer oder Herr Vorsteher?«, und als Volkmann antwortete: »Es bleibt alles so, wie es ist,« schüttelte sie den Kopf, daß ihr eine Flechte losging, und indem sie die feststeckte, rief sie: »Das will ich nicht hoffen, denn jetzt muß hier eine Frau her! Was ist denn das für ein Werk! Ein lediger Vorsteher? Das habe ich meinen Tag noch nicht erlebt. Und mir wird es mit der Arbeit zuviel: einen Mann, zwei kleine Kinder, das Vieh und zwei Haushaltungen, das halte ich nicht lange mehr aus.«

Am anderen Tage kam Freimut angefahren: »Mann,« schrie er über den Hof, daß die Schruthähne an zu kullern fingen, »siehst du mir nichts an?«

Volkmann lachte: »Bist du Justizrat geworden?«

Der Anwalt schnaubte: »Sehe ich denn schon so bresthaft aus?« Er hielt ihm seine linke Hand vor die Augen, die so groß war, daß ein junges Mädchen ihn einst bat: »Ach bitte, Herr Referendar, halten Sie doch Ihre Hand vor die Tür, es zieht so.«