Den Staub, den ich auf der Seele hatte, habe ich mit Unglück und Einsamkeit abgewaschen, und nun stehe ich rein da, wenn auch nicht vor der Welt, so doch vor ihr, die mir von Anbeginn bestimmt war, und darf ihren roten Mund küssen, soviel ich lustig bin.«

Ein Zaunkönig setzte sich drei Schritte vor ihm auf eine moosige Wurzel am Grabenbord, machte ihm einen Diener und sang ihm sein lautestes Lied vor.

Lüder lächelte; er hätte auch singen mögen, so laut singen, daß der ganze Wald schallte, und ein Gebet wäre das Lied, das zum Himmel steigen müßte.

Nun war er nicht mehr allein auf dem Hilgenhofe; ein Kamerad würde bei ihm sein, der im Hause das Leit in der Hand hielt, wenn er hinter dem Pfluge ging, und der abends, wenn die Arbeit getan war, dafür Sorge trug, daß seine Seele nicht auf die Erde fiel und am Boden kleben blieb, wie die bunte Motte, die vor seinen Füßen lag.

Alles, alles hatte er ihr gesagt, als er gestern neben ihr saß. Das Wichtigste hatte ihr schon Freimut gesagt. Er hatte ihr von der kleinen Margerit mit dem großen Herzen erzählt und von der Frau, in die er sich als froher Bursche verliebte und der sie, Holde Rotermund, so sehr ähnlich sähe. Und da hatte sie gefragt: »Wie hieß sie?«, und als er sagte: »Frau Professor Rödiger,« da sagte sie leise: »Es war meine älteste Schwester; sie starb vor vier Jahren.«

Und als er ihr erzählte, daß er dann den schlechten Abklatsch der Toten, Frau Mehls, zu lieben vermeint hatte, und daß er, als ihr Mann sie los sein wollte, nachdem er sie abscheulich behandelt und dadurch dem Hausfreund in die Arme getrieben hatte, in der Scheidungsklage unter Eid bestritt, Umgang mit ihr gehabt zu haben.

»Sie stehen für mich fleckenlos da,« hatte Holde gesagt; »verweigerten Sie den Eid, so war die Frau gerichtet, und da Sie sie zu lieben glaubten, blieb Ihnen nichts anderes übrig.«

Da hatte er solchen Mut bekommen, daß er, als der Geistliche die Schwiegermütter als lichte Engel abmalte, ihr gestand, daß er seit dem Tage, da er ihre Stimme vernahm, kein Weib mehr habe schön finden können, und sie flüsterte ihm zu, daß auch ihr seine Stimme nachgeklungen wäre, wo sie auch war. Und da hatten sich ihre Hände unter dem Tische Treue gelobt.

Er sah nach der Uhr; es war noch immer viel zu früh. Da hatte er noch Zeit, zum Gasthof zurückzugehen; er wollte Garberdings schreiben, daß er eine Braut gefunden habe.

Im Hausflur sagte ihm die Magd, es sei ein großes Paket für ihn abgegeben worden, sie habe es auf sein Zimmer gelegt. Dabei sah sie ihn so an, daß er dachte: »Hier hast du mit deinem Taler ein kleines Unglück angerichtet.«