Als Volkmann an der Tür des Hauses, in dem Frau Konsistorialrat Freimut wohnte, klingelte, lächelte das alte Dienstmädchen etwas schelmisch. »Herr Volkmann?« Er nickte. »Ich wünsche auch viel Glück! Sie möchten im Garten hinter dem Hause doch ein wenig warten!«
Er ging um das Haus herum und sah in der Laube einen Tisch gedeckt. Dann hörte er hinter den Büschen eine Harke im Kiese kratzen, und als er seine Augen dahin brachte, sah er einen blauen Rock, um den eine weiße Schürze wehte, darunter Holzpantoffeln und darüber blaue Wollstrümpfe mit weißen Hacken, ein rotes Leibchen, kurze weiße Hemdsärmel und einen geblümten Helgoländer. So gingen die Mädchen in der Haide zum Heuen.
Die Sache kam ihm verdächtig vor; er ging näher und da drehte sich die Haidjerin um, juchte leise auf, warf die Harke fort, nahm ihn um den Hals und rief:
»Nun hat man sich angezogen, um neben seinen Jungen hinzupassen und da kommt er als Stadtjapper an! Ist das rücksichtsvoll? Ist das zartfühlend? Ist das nett?«
Sie sah an sich herunter. »Seh' ich nicht fein aus?« Er lachte glücklich. »Ja, heute morgen um halb acht habe ich schon zu Frau Schönewolf geschickt und mir die Sachen holen lassen; sie hat sie zu einem Maskenfeste getragen. Nun komm aber in die Laube. Unsere Gardemama schläft noch; sie hat einen kleinen Brummer von gestern.
Wie haben Sie denn geschlafen, mein Herr und Gebieter? Gar nicht? Ich prachtvoll, nämlich auch nicht; ich habe immer an einen Vagelbunden von Gemeindevorsteher denken müssen.
Auf deinem Schoß soll ich sitzen? Ja, schickt sich das auch? Und wo haben wir uns denn von fünf bis jetzt herumgetrieben? Und ich sitze hier seit sieben Uhr und hungere mir Kringel unter die schönen blauen Augen. Aber jetzt hört der Unsinn auf; jetzt wird anständig gefrühstückt. Keine Faulheit vorgeschützt, das gibt es nicht.«
Lüder ließ sie aber so bald nicht los, bis sie ernst machte. Dann aß er und hörte zu, wie ihre Stimme um ihn war, und ihr fröhliches Kinderlachen, und ließ sich nötigen, denn das verstand sie, wie eine Bäuerin. »Na, dann hiervon wenigstens noch ein bißchen; die Wurst ist ganz frisch. Oder vielleicht Schinken? Aber ein paar Radieschen doch noch? Wie wäre es mit etwas Kräuterkäse? Oder ist dir Rahmkäse lieber? Von der Knackwurst hast du noch gar nichts genommen! Und der Lachs ist großartig. Ach, Bengel, wenn du gar nichts ißt, dann macht das ganze Verloben keinen Spaß.« Und sie saß wieder auf seinem Schoße und ließ sich küssen.
»Weißt du,« flüsterte sie, »eigentlich darf ich es gar nicht sagen, denn es ist zu unpassend: ich habe sehr oft gedacht, wie es wohl wäre, wenn du mich küssen würdest. Und nun sprich, daß ich deine Stimme höre, die ich nicht wieder vergessen konnte, und um derentwillen ich einen Gutsbesitzer, Witwer mit zwei Kindern, aber sonst noch ganz gut erhalten, samt seinem Rittergute habe abfahren lassen. Und daß ein königlich preußischer Regierungsrat acht Tage lang an Weltschmerz bettlägerig war, daran hat dieser Bauer hier auch schuld.
Junge, ist das eine merkwürdige Geschichte mit uns: ich denke an dich und du an mich die ganzen drei Jahre; er fährt Mist und pflügt, und ich hacke vor Elend Kartoffeln und füttere das Federvieh, und so richtet sich der eine nach dem anderen und kein einer weiß etwas davon.