Neugierig packte er die Strümpfe fort und fand darunter ein Heft einer vornehmen Zeitschrift liegen, auf dessen aufgeschlagener Seite eine Stelle blau bezeichnet war. Er las und wurde ganz rot im Gesicht, denn da stand:
»Im Verlage des Deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrt- und Heimatpflege ist ein Buch erschienen, das in der Weihnachtsliteratur dasteht wie eine Eiche im Felde. Es heißt »Der hohe Hof« und behandelt die Geschichte einer bäuerlichen Familie der Lüneburger Haide. Sein Verfasser nennt sich Lüder Volkmann; wir wissen nicht, wer das ist, aber wir wissen, daß er ein großer Künstler ist. Seine Sprache ist rein und klar, wie die Luft in der Haide; da stäubt kein überflüssiges Wort, da fliegt kein falscher Ausdruck. Sein Satzbau ist von jener Natürlichkeit, die so schwer zu treffen ist, und seine Bilder sind ungesucht und neu. Das Buch wird demnächst ausführlicher besprochen; für heute sagen wir nur: es ist ein köstliches Werk.«
Als Lüder aufsah, warf sich Holde an seine Brust. »Ich habe nur die Namen etwas geändert; alles andere blieb, wie es war. Du sagtest, ich könnte damit anfangen, was ich wollte, da habe ich es drucken lassen.«
Sie schlug die weißleinene Decke zurück, und zwei Bücher kamen zum Vorschein, das eine in kostbarer, das andere in einfacher Ausstattung.
»Das, Lüder, ist die Volksausgabe. Dein Buch muß in recht viele Hände kommen, darum ist gleich eine ganz billige Ausgabe herausgegeben. Inhaltlich sind beide Ausgaben gleich, nur kostet dieses Buch zwei, jenes sechs Mark.
Und nun gib mir einen Kuß, damit ich weiß, daß du mir nicht böse bist.«
Sie lehnte sich an ihn und sah mit Augen zu ihm auf, die vor Glück und Stolz feucht glänzten.
Ihr Mann küßte sie auf die Stirne: »Du!« sagte er und weiter nichts.