Wenn aber Freimut zur Jagd da war und sich auf dem Hofe sehen ließ, dann hatte sie immer Wichtiges mit ihm zu reden; manchmal steckte er ihr auch einen Brief zu, und als Lüder das einmal bemerkte, lächelte seine Frau ganz so, wie damals Mutter Garberding gelächelt hatte, als sie sich zur Kreisstadt fahren ließ, um ihre Erbverschreibung aufsetzen zu lassen.
»Es ist ein gesegnetes Jahr,« meinte der Bauer, als sie die Deele zum Erntebier rüsteten.
Die Frau stimmte ihm mit den Augen zu, aber sie dachte nicht an die Ernte, die auf dem Felde gewachsen war, und nicht an die Gartenfrüchte und an die Obstbäume, die sich alle tief bückten, noch weniger.
Zuzeiten fragte Lüder sie, was sie habe, denn wenn sie auch immer heiteren Sinnes war, in ihren Augen war seit einiger Zeit ein ganz eigenes Leuchten, und noch nie hatte sie soviel gesungen und gelacht, wie zu dieser Zeit, und war sie früher schon schön, so wurde sie es jetzt noch viel mehr, trotzdem sie von früh bis spät mit dem Haushalte zu tun hatte und außerdem noch auf die Kinder, deren es mit der Zeit vier geworden waren, zu achten hatte.
So kam der Weihnachtsabend heran. Lüder saß in der großen Wohnstube in dem Anbau, in dem jetzt die Familie lebte, da das alte Haus zu klein geworden war, und hatte das jüngste Kind auf dem Schoße, während die anderen mit gemachter Ruhe die Bilder in einem Tierbuche besahen. Die Geschenke für seine Frau hatte er der Großmagd gegeben.
Um sieben Uhr kam die Bäuerin herein; sie hatte, wie die anderen auch, ihr bestes Zeug an, und in ihren Augen war eine heimliche Ausgelassenheit, so daß ihr Töchterchen sagte: »Mutter, du siehst heute wirklich zu schön aus!«
Bald darauf läutete es; die Bäuerin faßte ihren Mann an die Hand und führte ihn auf die Deele, wo der Lichterbaum brannte; um ihn herum standen das Gesinde und der Häusling mit seiner Familie.
Nachdem die Kinder mit klaren Stimmen das Weihnachtslied gesungen hatten, wurden erst Lüdekens beschert, dann das Gesinde, worauf schließlich die Kinder zu ihren Gaben gewiesen wurden; zuletzt führte Lüder seine Frau dahin, wo seine Geschenke lagen, alltägliche Dinge, die ihr fehlten und die er sich im Verlaufe des Jahres gemerkt hatte, und einiges, das nicht so notwendig war und von liebevoller Aufmerksamkeit Zeugnis gab.
»Du, lieber Lüder,« sagte die Bäuerin, nachdem das Gesinde mit seinen Geschenken in die Leutestube gegangen war, »du bekommst wie gewöhnlich das wenigste; da sind zwölf Paar Strümpfe, sechs für den Sommer und sechs aus Schnuckenwolle für wintertags, und zwei Kisten Räucherwerk und natürlich einen Weihnachtskuß, weil du bis auf die Dummheit mit dem gequetschten Fuß dich das ganze Jahr gut betragen hast. Gern hätte ich dir noch ein besseres Angebinde verehrt, aber du hast ja so wenig Bedürfnisse, daß man nie weiß, was man dir schenken soll. Unter den Strümpfen liegt noch eine Kleinigkeit, die dir vielleicht Freude macht.«