Dort aber ist schon lange alles bunt von Menschen. Das historische Gasthaus von Heimberg in der Hohenhorster Bauernschaft ist das Stelldichein. Ein Fichtenbruchgewinde schmückt die Einfahrt, darin hängt ein buntes Schild, und daraus ruft es: »Vivat St. Hubertus!«

Wie das durcheinander wimmelt! Landleute, Stadtvolk, Dorfkinder, hier und da eine bunte Reiteruniform, dort die grünen Röcke der Schüler der Forstschule, das Blau und Weiß der Königsulanenkapelle und überall dazwischen wie roter Mohn in einem Felde, bunt von Blumen, die roten Röcke. Alles, was Pferdeverstand hat, ist heute hier. Und auch, was keinen hat; alles das, was man auf der Bult sieht an ihren großen Tagen, Tribüne, Sattelplatz und Stehplatz. Nur das Volk der Buchmacher fehlt.

Denn es ist nichts zu verdienen heut'. Es ist der allerehrlichste Sport heute; nichts ist zu gewinnen hier als ein Bruch vom Fichtenzweig. Diesen Sport wenigstens hat das Geld noch nicht verdorben.

Hufegetrappel und Rädergerassel in einem fort, Wagen an Wagen, gefüllt mit lachenden Leuten. Sie freuen sich alle über das Wetter, das schöne Wetter, das alles lustig macht, die Dorfhunde, die auf allen Höfen kläffen, die Hähne, die auf jedem Hofe krähen, die Tauben, die flügelklatschend über die Dächer taumeln, die Krähen, die sich quarrend in der Luft stechen. Und wieder Wagengedonner und immer wieder, und immer noch flutet es heran von Hannover, zu Wagen, zu Rad, zu Roß, zu Fuß, ohne Ende.

Die Musik spielt: »Ich schieß' den Hirsch im wilden Forst.« Die lachenden Augen werden noch heller. Dann ein donnerndes Hoch aus der Wirtschaft. Das sind die Gemeindevorsteher und die Jagdvorstände der Dörfer rund um Isernhagen, denen der Grund und Boden gehört, über die die Reitschule ihre Jagden reitet. Nach altem Brauch hat der Kommandeur der Reitschule den Vertretern der Bauernschaften gedankt für ihr Entgegenkommen; in ihrem Namen dankt Hofbesitzer Gosewisch aus Kaltenweide.

Vom Nachbarhof klingt der Hals der Meute. Neunzehn Koppeln der Schwarzweißgelben vergehen da fast vor Ungeduld. Nicht lange mehr, dann haben sie Arbeit.

Die Glocke schlägt eins. Ein Horn ertönt; »Gute Fahrt!« ruft es. Wimmelnde Bewegung kommt in die Menge. Alles stürzt in die Wagen, und eine lange, bunte Wagenkette zieht sich vorwärts; daneben schiebt sich der bunte Troß der Radler und Fußgänger.

Da sind die Wietzewiesen. Fahl liegen sie da, umrahmt von schwarzen Fuhrenmauern, zerschnitten von weißblitzenden Gräben, gefleckt von dunklen Weidenbüschen und weißdurchwirkten Birkenhorsten; Krähen spektakeln über ihnen, und ein Bussard schraubt sich höher, geärgert durch das Leben hier unten.

Jetzt wird die Sache mulmig, jetzt geht das Hüppen los. Hei, Röckchen zusammen und hoppla he! Das allein lohnt sich schon. Denn so viele nette Füßchen sieht man da und so viele hübschbestrumpfte Mädchen, und ab und zu ein weißes Hosenspitzchen.

Und nicht nur solche gefährliche Dinge sieht man, auch lustige. Da sitzt ein dicker Herr bis an die Kniescheiben in der Mudde, dort lotsen der Papa und zwei Söhne die umfangreiche Mama über einen sehr wackligen Steg, hier kugelt ein Radler vom Sattel in den Pump, da wird ein Wagen halali. Er verlor ein Rad.