»Deubel auch!« sprach die Brennhexe und lachte; »das ist aber ein glatter Danzeschatz für mich; der kommt mir gerade paßlich.« Sie ging schneller, aber sie konnte den Mann nicht einholen. Sie hielt die Hände um den Mund und rief: »He, du!«, aber der Jäger hörte sie nicht. Sie versuchte zu flöten; doch damit hatte sie erst recht kein Glück.

So lief sie denn, was sie laufen konnte, blieb ab und zu stehen und schrie: »He!« und »Holla!« oder »Teuf!«, bis der Mann, als sie schon ganz außer Atem war, sich endlich umdrehte und nach ihr hinsah. Sie winkte ihm zu, aber da merkte der Jäger, mit wem er es zu tun hatte, setzte den Springstock ein und machte, daß er weiter kam.

»Du Flegel!« schimpfte die Brennhexe und lief wieder hinter ihm her, so daß er hin- und herspringen mußte, denn sie kam ihm immer dichter auf die Hacken. Als es gar nicht mehr anders ging, sprang er in einen alten Abstich, warf Gewehr und Rucksack von sich, duckte sich so tief, daß ihm das Wasser bis an die Brust ging und wartete, bis das verliebte Frauenzimmer an ihm vorbeigerannt war.

Dann stieg er heraus, schüttelte sich, lachte, hängte den Drilling und den Rucksack um, nahm den Stock wieder zur Hand und sprang nach der anderen Seite hin über das schwelende Haidkraut, den glimmenden Torf, an den knisternden Wachholderbüschen und den lichterloh brennenden Krüppelkiefern vorüber, ab und zu hinter sich sehend, wo alles ein Rauch und eine Glut war. Einmal blieb er stehen, verpustete sich und zog ein Büschel Torfmoos aus, das er aus einem Graben riß; aber da sah er auch schon das rote Gesicht der Hexe hinter sich und hörte die gemeinen Schimpfworte, die sie ihm nachschrie, und so sprang er dahin, wo der Bach an den Wiesen vorbeilief.

Erst als er den hinter sich hatte und an dem großen Weidenbaume angekommen war, machte er Halt, ließ den Stock fallen, hängte die Büchse an den Baum, legte den Rucksack ab, warf sich in das Gras, lehnte den Rücken gegen den Stamm und atmete tief, dahin sehend, wo die Brennhexe stand und ihm mit der Faust drohte, während um sie her allerhand schwarze und graue Gesichter nach ihm hinglotzten, ihm Fratzen schnitten, Ruß nach ihm spuckten, Rauch nach ihm pusteten und ihm ihre roten Zungen ausstreckten. Er lachte sie aus, machte ihnen eine lange Nase, steckte sich eine Pfeife an und blies dem Gelichter den Dampf entgegen, mit kleinen Augen nach ihm hinsehend.

Die grauen Fratzen verzogen sich langsam, und auch die Brennhexe war verschwunden; aber nun kam ein Mädchen über das ausgebrannte Moor gegangen. Schlank war es und hatte einen stolzen Schritt; ihr aschblondes Haar sah sanft aus, ihre Augen hatten einen zärtlichen Glanz, und ihre Hände waren weiß und sehr klein. Sie nahm damit an beiden Seiten ihr Kleid auf; das war von weißem Wollstoffe und so lose geschnitten, daß es schöne Falten warf; der Halsausschnitt und die halblangen, weiten Ärmel waren mit einer goldenen Borde besetzt.

Immer näher kam das Mädchen, ging gerade auf ihn zu und blickte ihn mit freundlichen Augen an; die kamen ihm erst schwarz vor, dann meinte er, sie wären braun, und schließlich sah er, daß sie blau waren, blau mit goldenen Blumen darin. Da erkannte er das Mädchen, nickte ihm zu und rief: »Swaantje, wie kommst du denn hierher?«

Davon wachte er auf und merkte, daß er eingeschlafen war und geträumt hatte; aber er war über den Traum so erschrocken, daß ihm das Herz bis in den Hals hinein schlug. Er stand auf, warf die Büchse über den Rücken, stellte den Springstock in den Busch und sah sich nach seinem Hute um, bis ihm einfiel, daß der ihm vom Kopfe geflogen war, als er vor der Brennhexe fortlaufen mußte. Er lachte und ging langsam dem Walde zu, in dem der wilde Täuber ihn bedauerte: »O du, du, du!« rief er; aber der Häher lachte den Jäger aus, weil er so schwarz und schmierig im Gesichte aussah und nichts davon wußte; er flog vor ihm her und schrie in einem fort: »Ätsch, ätsch, ätsch!« Doch als der Jäger ihm drohte und zum Spaß nach der Flinte griff, kreischte der bunte Vogel laut auf: »Nein, nein!« schrie er und flog schnell in den tiefen Wald hinein.

»Du lieber Himmel, Herr Hagenrieder«, rief die Wirtin vom Blauen Himmel und schlug die Hände zusammen; »wie sehen Sie denn aus!« Als der Jäger ein dummes Gesicht machte, drehte sie ihn an der Schulter um, daß er in den Spiegel sehen mußte, und da lachte er, denn er war schwarz und grau gestreift von Ruß und Schweiß. Die Wirtin hatte die Hände auf die Hüften gestemmt und lachte, daß ihre Zähne blitzten.

»Auch noch auslachen!« rief der Jäger, faßte sie um und küßte sie so lange, bis sie ebenso aussah, wie er, und ihn halb böse, halb verliebt ansah; er aber lachte und sagte: »So, nun haben Sie nichts mehr vor mir voraus, und jetzt muß ich für drei Taler Waschwasser und drei Handtücher auf mein Zimmer haben, und wenn ich wieder herunterkomme, ordentlich etwas zu essen und zu trinken, denn die Brennhexe hat mich über das ganze Moor gejagt.« Da wurde die Frau ganz blaß und sagte: »Und ich dachte, Sie hätten bloß ein bißchen beim Löschen geholfen.«