Er stieg die Treppe hinauf und ging in sein Zimmer, legte sein Zeug ab, wusch sich von oben bis unten und zog einen städtischen Anzug an. Als er vor dem Spiegel stand, die Halsbinde zur Schleife band und die gleichfarbige Schärpe um den Leib knüpfte, mußte er wieder an Swaantje denken. Er hatte sie einmal zu einem Ausfluge abgeholt, und weil es sehr heiß war, kam er in weißer Bluse und mit gegürteten Lenden, die Jacke auf dem Arme. »Reizend siehst du aus, Vetter Helmold, ganz reizend«, hatte das Mädchen ausgerufen und vor Vergnügen in die Hände geklatscht; »ich finde, Westen sind scheußlich, und warum die Männer selbst bei dieser Hitze dreifaches Zeug anhaben, das verstehe ich nicht. Und sieh bloß, wir sind ja ganz auf eine Melodie gestimmt: beide in Weiß und Weinrot! Hast du dich vielleicht vorher bei Fride erkundigt, was ich anziehen wollte?«

In der Eisenbahn saß ihm ein junges Mädchen gegenüber. Es war sehr hübsch; aber da es eine bräunliche Hautfarbe, dunkle Augen und schwarzes Haar hatte, so machte er sich aus den anerkennenden Blicken nichts, mit denen es ihn musterte. Ab und zu, wenn er aus dem Fenster sah, mußte er mit den Augen über es hingehen, und dann fiel es ihm auf, welchen Gegensatz zu Swaantje es darstellte, mit den zackigen Bewegungen, dem grellen Augenaufschlag, den rastlosen Händen, der wirbelnden Stimme und dem klirrenden Lachen, denn es unterhielt sich eifrig mit einem alten Herrn, in dessen Begleitung es fuhr.

Da hörte er Swaantjes milde Stimme und vernahm ihr weiches Lachen, sah ihre abgemessenen Bewegungen und dachte an ihre kleinen, fast zu kleinen Hände, die niemals hin- und hersprangen, sondern still auf ihrem Schoße lagen oder bedächtig die Nadel führten, und ab und zu schlug sie langsam die Augen auf und sah ihn mit schwesterlicher Zärtlichkeit an. »Ich habe sie lange nicht mehr gesehen« dachte er.

Als er sein Haus aufschloß, fuhren ihm seine Hunde winselnd und kläffend um die Beine, und eine lustige Frauenstimme rief: »Schon da? Das ist ja prächtig!« Seine Frau kam ihm entgegen, frisch und fröhlich wie immer; sie hielt ihm den lachenden Mund hin, und er küßte ihn dreimal.

Sodann fragte sie ihn: »Wir haben Besuch; rate einmal, wer es ist?« Er lachte: »Du weißt doch, Grete, der Verstand ist zum Glück meine schwache Seite!« Aber da tat sich die Tür zum Eßzimmer auf und Swaantje Swantenius stand vor ihm, genau so, wie er sie im Traume gesehen hatte, in dem weißen losen Wollkleide mit der goldenen Borde am Halse und unter den Ellenbeugen, goldene Blumen in den blauen Augen. Sie gab ihm die Hand und sagte: »Willkommen, lieber Helmold! Wie schön, daß du so früh kommst; da wird uns das Essen gleich dreimal so gut munden.«

Seine Augen freuten sich, als er sie so dastehen sah, und sein Herz lachte, als er ihre Stimme hörte. Er nahm seine Frau in den rechten Arm und ihre Base in den linken und sagte: »Das ist hübsch von dir, Swaantje, daß du einmal wieder hergefunden hast; dafür bekommst du auch ein Glas Sekt. Nicht wahr, Weibchen?«

Seine Frau nickte eifrig: »Natürlich, wenn eine so liebe Kusine da ist!«

»Kußine«, scherzte ihr Mann und gab erst seiner Frau und dann Swaantje einen Kuß auf die Backe.