Eins nur machte ihr Sorge: Als sie fühlte, daß sie guter Hoffnung war, war der Viehhändler Seligmann auf den Hof gekommen. Sie hatte ihn nie so recht leiden können. Als er ihr auf so wunderliche Art die Hand gab, sie mit Augen ansah, als hätten sie zusammen Holz gestohlen, und sie schmusternd fragte: »Nun, schöne, junge Frau, hat der Adebar schon geklappert?« da hatte sie den Kopf geschüttelt. Wenn aber eine Mutter ihr Kind ableugnet, dann bleibt es nicht bei der Wahrheit.
Aber das mochte nur wieder so ein Schnack sein von Mutter Griebsch, die der jungen Frau sagte, was sie tun dürfe und was nicht.
Detta gab auf alle diese Dinge nicht so ganz viel, denn zuoft hatte der Pastor dagegen von der Kanzel geredet; deswegen stellte sie die Wiege aber doch immer fest, wenn das Kind nicht darin lag, damit sie nicht taub hin und her ging und der Junge Kopfweh bekam. Sie sorgte dafür, daß keine jungen Hunde auf dem Hofe waren, und nahm nicht die Schere, wuchsen dem Kinde die Nägel über.
Weil der Junge elf Finger hatte, zog sie ihn durch die Zwille einer jungen Eiche, und als der Finger trotzdem nicht zurückging, band sie ihn mit einem weißen Faden ab und tat den Saft von Jesuwundenkraut darauf, und es blieb nichts zurück, als eine kleine rote Stelle.
Die große bunte Wiege von Eichenholz, die seit 1564 auf dem Hofe war, wurde zu kurz, als Göde ein knappes Jahr alt war, so wuchs der Junge.
Durchschnittlich war er ein freundliches Kind, aber einmal, als seine Mutter sich verjagt hatte, als das Wetter in eine von den großen Eichen schlug und die ganze Deele voll von blauem Feuer war, mußte ihr wohl die Milch hart geworden sein, denn als der Junge trinken wollte, hatte er schnell losgelassen und ganz falsch mit der Hand nach der Brust geschlagen. »Du Untier,« hatte die Mutter gesagt, »noch nicht ein Jahr und schon schlägt er zu, wie ein Alter.«
Sonst war er aber gutartig, lachte immer und wenn man ihn mitten aus dem Schlafe aufnahm. Er konnte drei Stunden allein liegen und mit seinen Füßen spielen oder lauthals über den Schatten juchen, den seine Hände gegen die Wand warfen. Wenn er einmal ein bißchen weinte, so wie einer mit ihm sprach, gleich lachte er wieder.
Bloß wenn der Bauer vorbeiging, ohne mit ihm zu sprechen oder ihn auf den Arm zu nehmen, dann fing er ganz gefährlich an zu schreien, und Hehlmann lachte und sagte: »Eine Stimme hat er, wie ein Bullenkalb.«
So blieb er auch; immer war er lustig und nie verzagt. Als er vier Jahre alt war, schnitt er sich zwei Finger bis auf den Knochen durch und kam mit Tränen in den Augen ganz still an und sagte: »Mutter, Lappen ummachen.« Mit sieben Jahren griff er den Marder, der in das Tellereisen getreten war, und brachte Marder und Eisen lachend in das Haus, und dabei hatte ihn das Tier durch den Daumennagel gebissen.
Er hatte eine Art mit dem Vieh umzugehen, als wenn er schon ein Kerl von zwanzig Jahren wäre; alles, was auf dem Hofe an Getier war, mußte ihm untertänig sein, aber nie ging er hart damit um, außer, wenn eins nicht so wollte, wie er.