Göde kannte sie von Ansehen, es war Miken, die angenommene Tochter des Müllers, ein über ihr Alter großes, schönes Mädchen, die wildeste von allen, die in die Lichteloher Schule gegangen waren und von der es damals schon hieß, daß sie in manchen Sachen besser Bescheid wisse, als andere Mädchen, die schon längst aus der Schule waren.

Sie lachte, daß ihre Zähne blitzten und fragte: »Na, hast'n endlich dot? Ich habe dich schon manchen Tag hier gesehen.«

Göde murmelte etwas vor sich hin und überlegte, was er machen sollte. Hatte Miken gesehen, daß er den Bock aus dem Busche geholt hatte? Aber was wird das Mädchen wissen, wo die Grenze geht, dachte er und brach den Bock auf.

Miken kniete bei ihm nieder und sah neubegierig zu. Göde sah sie von der Seite an und ihm wurde ganz absonderlich zu Mute. So dicht war eigentlich noch nie ein Mädchen bei ihm gewesen.

Wie rot ihr Haar war, gerade so wie der Bock, und kraus war es und leuchtete, wie eitel Gold. Und ihre Haut war schier und so weiß, ganz anders, wie bei den anderen Mädchen. Und was sie für einen roten Mund hatte.

Als der Bock aufgebrochen war und Göde ihn an eine Fuhre gehängt hatte, wusch er sich die Hände und Miken trocknete sie ihm mit ihrer Schürze ab. Ihm wurde der Hals eng, als sie so dicht bei ihm stand und seine Hände rieb und ein Schudder lief ihm über die Brust.

»Hast noch Zeit?« fragte sie und sah ihn mit kleinen Augen an. »Wollen uns noch was erzählen. Hier kommt meistens kein Mensch her.«

Sie zog ihn hinter den Machangelbusch. »Mich wundert bloß,« sagte sie und sah ihn verliebt an, »daß du erst zwei Jahre aus der Schule bist, so groß wie du bist. Du siehst aus, als wenn du meist schon achtzehn wärst.«

»Du auch,« lachte Göde und sah an ihrer Brust herunter und an den weißen Armen, die kaum ein bißchen verbrannt waren; »du könntest dreist für achtzehn gelten.«