Sie sah mit Augen, die von der Erde fort waren, das Mädchen an. »Als er drei Tage alt war, da träumte mir, es standen zwei Frauen bei der Wiege; die eine gab ihm Böses in den Sinn, aber die andere wünschte es weg. Sei geduldig mit ihm, auch wenn er über die Stränge schlägt. Niemals schimpfen, das hat bei ihm keine Art; mit Güte kann man ihn hinhaben, wo man will.«

Sie machte die Augen zu und lag eine ganze Zeit still da, bis ein neuer Anfall kam. Als der vorbei war, fing sie wieder an zu flüstern: »Ich glaube, er ist von der Art, die mehr als eine Frau brauchen. Eine Frau muß nicht immer alles sehen. Sein Großvater war auch so, und seine Frau hat immer gut mit ihm ausgekonnt.«

Die Tür ging. Meta ging dem Doktor entgegen. Der setzte sich vor das Bett, klopfte der Kranken die Backen und sagte:

»Na, Frau Hehlmann, was machen wir denn für Dummheiten! Sie sind zu sehr aus der Gewohnheit gekommen. Das erste ist schon ein Mann und nun kommt erst das zweite! Warten Sie, ich gebe Ihnen was gegen die Angst.«

Er ging auf die Deele, schüttelte ein Pulver in eine Tasse und rief Meta: »So, Kind, das gib ihr,« sagte er laut und leise flüsterte er bei: »Sagt meinem Kutscher, er soll sofort nach dem Dorfe fahren und den Pastor und die Hebamme holen, aber schnell.«

Das Mädchen riß die Augen weit auf. »Ist es so schlimm?«

Der Doktor wiegte den Kopf hin und her: »Wissen kann man es nie. Da ist etwas gänzlich aus der Kehr.«

Eine knappe Stunde war weggegangen, da kam der Wagen zurück. In demselben Augenblicke, als der Pastor auf die Deele trat, wurde es so hell wie der Tag und ein Donnerschlag kam hinterher.

Die Kranke schrie auf. Der Doktor ging in die Dönze. »Vielleicht ist Ihnen nun besser, Frau Hehlmann?« fragte er und bückte sich zu ihr nieder.