»Hör' zu, Anna,« sagte er, »das muß nun aufhören mit uns. Kommt es rund, dann bist du in schlechtem Ruf, und ich will ihr,« und dabei wies er mit dem Kopfe nach dem Wohnhause, »das Herz nicht noch schwerer machen. Sie trägt schon schlimm genug daran, daß wir keinen Jungen haben. Du mußt fort von hier.«

Das Mädchen sah nicht auf. Ihre Brust ging auf und ab und die Tränen liefen ihr aus den Augen.

»Ich will dir was sagen, Anna,« fuhr er fort, »du weißt, ich kann dich leiden; gerade deshalb mußt du gehen. Es gibt noch mehr Männer auf der Welt und was ich dir an dem Tage beim Grummet sagte: du bist zu schade für eine Liebschaft mit einem verheirateten Kerl. Und nun nimm mir das nicht vor übel: du bist ein armes Mädchen; morgen fahre ich nach Celle und gebe durch den Advokaten auf der Sparkasse so viel für dich auf, daß du eine gute Aussteuer und noch was in der Hand hast und das kannst du abheben, so bald du einen ordentlichen Kerl findest. Schwer wird dir das ja nicht fallen. Und heute gleich sagst du der Frau auf und siehst dich nach was anderem um.«

Er gab ihr die Hand, drehte sich um und ging lauten Schrittes durch den Stall, denn wenn er sie weinen hörte, wußte er, verlor er die Macht über sich.

Am Abend ging er in den Krug, trank aber so gut wie nichts und ging bei Dunkelwerden fort.

Es war der erste schöne Märzabend und die Mädchen gingen untergehakt über die Straße und sangen eins von den Liedern, die der Pastor nicht haben wollte.

Langsam ging er den Pattweg durch die Haide und dachte an die Nacht nach dem Erntebier, als er mit Meta hier gegangen war. Wie lange war das schon her! Damals sah er über die Fuhren weg; heute konnte er das nicht mehr.

Auf der Höhe blieb er stehen und sah sich um. Am Himmel stand der halbe Mond und alle Sterne waren versammelt. Ein Reh schreckte vor ihm und polterte in die Fuhren, und vom Hofe her rief die Eule; es war ganz so wie an jenem Abend.

Das Herz wurde ihm schwer; nun war er wieder ganz allein. Aber es mußte sein; zu sehen, wie sich seine Frau unter die Erde grämte, das ging nicht. Wenn sie von Anfang an so gewesen wäre wie jetzt, dann hätte er mit ihr ein ganz gutes Leben haben können.