Als der Hansbur sich aufrichtete, sah er, daß das Pferd das Gesicht hatte, was sie annehmen, wenn sie vor dem Sterben sind; es hatte die Nüstern weit auf und die Augen sahen schrecklich aus. Es lag mit dem Hinterleibe im Kanal, schlug mit den Vorderfüßen das Ufer in Stücke und schrie.
Da sah Hehlmann, daß das Ufer voller Blut war und als er näher ging, fand er, daß der Fuchs sich einen Pfahl, um den altes Reet stand, tief in die Brust gejagt hatte, und jedesmal, wenn er schnob, flog ihm das Blut hellrot aus Maul und Nase.
Der Bauer sah, daß nichts mehr zu machen war. Er faßte nach der Hosennaht, aber er hatte das große Messer nicht bei sich und das Klappmesser dünkte ihm zu klein.
Aber länger konnte er es nicht mit ansehen, wie der Fuchs sich zu Tode quälte. Er überlegte einen Augenblick, dann trat er dicht hinter das Tier, holte aus und schlug es mit der vollen Faust gegen den linken Schlaf, und so wie der Schlag gefallen war, ließ es den Kopf hängen.
Der Bauer holte tief Luft und ihm war, als müsse er sich über seine Kraft freuen. Dann nahm er das Klappmesser, schnitt dem Fuchs die Schlagader am Halse durch und blieb so lange dabei stehen, bis er abgeblutet war.
Einen Augenblick schämte er sich; er hatte das schöne Tier unnütz in den Tod gejagt. Aber dann bekam er blanke Augen; es war doch einmal etwas anderes, und wie er so dastand und das tote Tier ansah, das halb auf dem Ufer und halb im Wasser lag, da dachte er sich, wie einzig schön es sein müsse, so um diese Zeit, wenn der Himmel über dem Walde rot wird, langsam über das Schlachtfeld zu reiten und auf die hinzusehen, die steif und kalt neben ihren toten Pferden lagen.
Das war denn doch noch ein Leben; wenn man auch selbst dabei vor die Hunde ging, das machte nichts aus. Wolf von Hohenholte hatte auch so gedacht. Der alte Pastor war beinahe umgefallen, als er Wolf fragte: »Was ist ein seliger Tod, mein Junge?« und Wolf geantwortet hatte: »Kugel vor den Kopf, Herr Pastor, und Salve über dem Grabe.«
Die Kugel hatte er bekommen, wenn auch anders als er sich das dachte, aber eine Salve nicht, bloß üble Nachreden und Tränen seiner jungen Frau auf sein Totenhemd; nun lag er in der Erde und fror, weil die Tränen nicht trocknen wollten, und seine Witwe ging stumm und steif über den Hof und konnte nicht mehr lachen.
Immerhin, Wolf hatte etwas belebt. Hehlmann warf den Kopf in den Nacken: was man belebt, ist gleich, wenn man überhaupt nur etwas belebt. Und er wollte etwas beleben, koste es, was es wolle.