Und dann kam der Oberst. Er sah aus, als wenn er wenig getrunken und gut geschlafen hatte; er klopfte mit seiner rechten Hand, die in dem gelben Stulphandschuh steckte, seinem Apfelschimmel den Hals.
Wulf sah in sich genau an, denn er wollte das Gesicht für immer im Gedächtnis behalten. Dann nahm er den Mann auf das Korn, gerade in dem Augenblicke, als der Oberst ihm das volle Gesicht zudrehte. Erst zielte er auf die Brust, aber dann ging er tiefer und so wie es knallte, sah er durch das Feuer, daß der Mann beide Arme über sich warf und nach der Seite klappte, und gleich darauf hörte er ihn schreien: »O Jesus!« und hinterher quietschte das Frauenzimmer auf.
Aber da war der Bauer schon ein Ende weiter. Er hatte es sich vorher genau überlegt, wie er es machen mußte, damit ihn keiner zu sehen bekam. Als das Schreien und Rufen losging und ein Dutzend Schüsse in den [Ellernbusch] gefeuert wurden, in dem er gelauert hatte, da hatte er schon den [Abstich] und ein tiefes [Flatt] hinter sich; von einem Birkenbusche nach dem anderen kriechend kam er zu dem [Anberg], von dem aus er nach der Straße hinsehen konnte.
Er mußte lachen, wie sie da hin und her ritten und durcheinanderjagten, gerade als wenn sie das zum Vergnügen taten! Und jetzt lachte er hellwege auf, denn drei Reiter, nein vier, die in das Moor hineinjagten, waren auf einmal weg und das Wasser spritzte auf.
»Dafür ist es eigentlich heute morgen zu frisch,« sagte er vor sich hin und schüttelte den Kopf, als noch drei Reiter in das Bruch ritten. Zwei sanken gleich ein und kehrten um; der eine aber, der einen Schecken ritt, kam beinahe bis zur Haide, aber da brach das Pferd ein, der Reiter schlug in den Morast, daß es nur so quatschte, und das Pferd trabte ledig weiter.
Wulf sprang auf und kroch gebückt von einem [Machangel]busch zum anderen, bis er weit genug war. Er sah noch, daß mehrere Reiter abstiegen und zu Fuß in das Bruch gingen; dann aber lief er, was er konnte, bis er da war, wo der Schecke stand, hin und her trat und nicht recht wußte, was er machen sollte, um aus dem Morast herauszukommen. Als er den Bauern sah, prustete er freundlich, und in aller Gemächlichkeit konnte Wulf ihn packen und an einem Busche anbinden.
Er blieb so lange hinter einem [Machangel] liegen, bis der Zug sich wieder aufmachte. Ungefähr konnte er zählen, wie viele Pferde es waren. Der Apfelschimmel ging ledig und das Frauenzimmer war auch nicht mehr beritten, denn der verrückte rote Hut, den sie aufhatte, war jetzt auf dem einem Wagen zu sehen.
Der Bauer nickte; er wußte, daß er seine Sache gut gemacht hatte. Er lauerte so lange, bis der Zug im Walde verschwunden war und dann noch eine Viertelstunde. Dann ging er vorsichtig dahin, wo er die Büchse versteckt hatte, lud sie auf das neue und kroch dahin, wo der Reiter so schwer gestürzt war. Er fand ihn gleich. Der Mann hatte den Kopf unter der Brust und rührte sich nicht mehr; er hatte sich das Genick abgestürzt.
Es war kein gemeiner Reiter, sondern ein Wachtmeister. Wulf nahm ihm den Gürtel ab, schnitt die Jacke auf, und dann lachte er vor sich hin: elf Dukaten hatte der Kerl in der Rückenbahn eingenäht und sieben auf der Brust, und in der Tasche hatte er drei Taler und noch mehrere Schillinge. Zudem hatte er ein sehr schönes Dolchmesser außer dem Säbel am Gürtel. Das Messer nahm Harm an sich, den Säbel ließ er liegen, aber die beiden langen Pistolen, die er in der Satteltasche des Pferdes fand, behielt er.
Als er in dem Halfter noch weißes Brot, eine Flasche Schnaps, ein gebratenes Huhn und Salz fand, war er vollends zufrieden. Er setzte sich neben das Pferd, frühstückte in aller Ruhe, gab dem Schecken das Brot, das er aus Bissendorf mitgenommen hatte, schlug sich die Pfeife an, rauchte sie langsam zu Ende und ritt dann in schlankem Trabe nach Hause.