»Weißt du was, Drewes?« sagte er, »ich kann den Kopp nicht halten; ich habe die ganze Nacht draußen aufgesessen und den Tag über in Moor und Haide zugebracht. Und meine Frau, du weißt ja, wie die ist! Zum ersten Male seit damals ist sie wieder wie vordem; heute kann ich nicht von ihr fort. Ich habe genug Sorge um sie gehabt das ganze Jahr. Und ob ich nun mit dabei bin oder nicht, davon wird der Brei auch nicht dicker, zumal ich kein Pferd habe, auf das ich mich verlassen kann. Laß mich dabei lieber weg, heute wenigstens!«

Der Engenser sah ihn von der Seite an. »Ist wahr, du siehst aus, als wenn dir der Kopp nach dem Bette hängt. Na, wir werden auch so mit ihnen fertig werden. Vielleicht, daß du morgen früh nachkommst, denn wir wollen gleich los, damit wir sie vor Tau und Tag in die Mache kriegen. Aber das nächstemal rechnen wir auf dich. Bedenke, wenn du uns nicht hilfst, meinst du, daß ein anderer für dich die Finger rühren wird? Du hast doch schon genug ausgestanden, als daß du noch erst warten willst, bis dir wieder einer was tut, ehe du zuschlägst. Tote Füchse beißen nicht mehr! Aber wie du willst. Und denn adjüs auch!«

Harm wurde ordentlich das Herz leicht, als Drewes fort war, und als er in das Haus ging, pfiff er das Lied vor sich hin, das die Reiter den Morgen gesungen hatten:

Nichts Schönres kann mich erfreuen,
als wenn der Sommer angeht;
da blühen die Rosen im Garten,
ju ja im Garten;
Trompeter, die blasen ins Feld.

Die Marodebrüder

Es war keine schlechte Jagd gewesen, die die Bauern gemacht hatten. Als der Nebel in die Höhe ging, hatten sie die Bande ankommen sehen. Sie warteten, bis sie sie mitten im nassen Bruche hatten, und dann schossen sie sie zusammen wie eingelappte Hirsche; nicht einer kam gesund davon. Zweiundzwanzig waren es, die dalagen, alte Kerle mit Gesichtern wie Leder, und junge Burschen, die wie Milch und Blut aussahen. Einer von ihnen, den Drewes übergeritten hatte, hatte geschrien: »Erbarmen! Meine Mutter!« Aber das hatte ihm nichts geholfen; der Engenser schlug ihn tot und schrie: »Junge Katzen kratzen auch!«

Er lachte, als er dem Wulfsbauern das erzählte, als wäre es bloß ein Spaß gewesen, und seine breiten weißen Zähne blänkerten man so. »Ja, diesmal hat's [geschlumpt][griente] er. »Und für umsonst haben wir die Arbeit nicht getan,« warf er hinterher; »auf meinen Teil sind allein elf harte Taler gekommen. Ein Schade, daß es keine Reiter waren! ein paar billige Pferde, die hätten mir schon gepaßt. Und nun will ich nach Hause, sonst kriege ich es mit meiner Altschen zu tun.« Er schüttelte sich und Harm lachte, denn er wußte, daß Christel Drewes ein Maulwerk hatte, gegen das keiner ankonnte.

Rose rief Harm zum Essen; das Herz lachte ihm im Leibe, als er sie ansah. Das Leben war schön, trotz alledem! Und endlich mußte es doch wieder Frieden werden; die hohen Herren mußten es doch leid werden, das Kriegsspielen, das sie ein Heidengeld kostete und viel Menschen dazu. Was man so bei Wege hörte, war ja auch zu schrecklich: überall Mord und Brand und Pest und Hungersnot. Da war es im Bruche doch noch besser. Krieg ist Krieg und beim Gänserupfen fliegen Federn. Das ist einmal nicht anders!

So dachte der Bauer und freute sich über seine [glatte] Frau und den Jungen, der von Tag zu Tag niedlicher wurde und alle Augenblicke ein paar Wörter mehr konnte. Er dachte: »Wenn erst noch ein Kind da ist und Rose mehr Arbeit damit hat, dann wird sie über alles eher fortkommen.« So wurde es denn auch. Es kam ein kleines Mädchen an, ein kräftiges und gesundes Kind, und nun wurde die Frau wieder, wie sie früher war.

Der Krieg war zwar immer noch nicht zu Ende, aber auf dem Wulfshofe merkte man von ihm beinahe nichts. Ab und zu kamen Truppen durch das Land, bald von dieser, bald von jener Art, und dann ging es da, wo sie herzogen, nicht sauber zu; mehr als einmal war am Tage Rauch und am Abend ein roter Schein über dem Bruche zu sehen.