Harm winkte den Knecht neben sich. »Halt das Horn bereit!« sagte er leise zu ihm. Thedel nahm das Horn zur Hand. »Nicht eher, als bis ich es sage!« flüsterte ihm der Bauer in das Ohr. Der Knecht nickte. »Hüh!« ging es vor ihnen und noch einmal »hüh!« Ein Pferd prustete, ein Mann schnäuzte sich. Jetzt kamen die ersten, sechs Mann zu Fuß, die Büchsen fertig zum Schuß, in einem fort die Köpfe von rechts nach links drehend. Ab und zu blieben sie stehen und redeten halblaut. Harm hörte, was der eine sagte: »Verdammigt noch mal, ist das hier ein Sauweg! Wenn wir hier man erst raus wären!« Der Bauer lachte hinter seinem Gesichte und dachte: »Ja, wenn!«

Drei Reiter kamen hinterher. »Schöne Pferde!« dachte Wulf. Der zweite Wagen kam, wieder ein paar Mann zu Fuß, dahinter ein Reiter, ein langer, dünner Kerl mit einem ganz kleinen Kopf. Der Bauer stand auf und zitterte am ganzen Leibe. Aber der Mann hatte eine tiefe Stimme; also war er es nicht. Noch ein Wagen kam an und noch einer und immer mehr, jetzt der letzte. Harm wollte schon dem Knecht zurufen, daß er blasen sollte, da hörte er noch einen Wagen poltern. Er machte sich fertig. Hinter dem Wagen ritt ein dicker Mann, der einen weißen Spitzenkragen umhatte, der ihm bis über die Schultern hing. Er hatte eine rote Nase und ein doppeltes Kinn und sah verdrießlich aus.

»Das dicke Ende kommt allemal hinterher,« dachte der Bauer und schoß. Der Rotschimmel machte einen Satz und warf den Mann ab. »Jetzt kannst du blasen, Thedel,« flüsterte Wulf, »aber Deckung nehmen!« Der Knecht stellte sich hinter den [Wurfboden] und legte los: »Tirrä tuut, tirrä tuut, tirrä tuut!« ging es. Dann aber nahm Thedel seine Büchse, lief schnell nach vorne, zielte lange und so wie er drückte, sah er zurück und lachte, lud aber gleich wieder.

»Tirrä tut!« kam es von unten her und überall knallte es. Ab und zu hörte man einen Fluch und einen Schrei, und dazwischen ein kurzes Lachen, und oben fiel ein Schuß und nun wieder unten einer. Dann kam ein Mann angeritten, kreideweiß im Gesicht; er blieb, sowie Thedel geschossen hatte, erst noch eine Weile sitzen, bis er zur Seite fiel, und das Pferd schleppte ihn durch den Dreck. Hinter ihm her kam ein anderer angehinkt und hielt sich den Kopf. Harm wartete, bis er auf drei Schritt heran war, hielt ihm die Pistole entgegen und schoß ihn nieder.

Die Schüsse fielen spärlicher, das Fluchen und Schreien hatte aufgehört. »Ich glaube, wir sind damit durch,« rief Wulf dem Jungen zu. Der nickte. »Wollen noch eine Weile warten!« meinte der Bauer. Thedel lud die Büchsen und die Pistolen, derweil der andere sich die Pfeife stopfte und anbrannte. »Nun kannst du loslegen,« rief er ihm zu. »All' uut, all' uut?« blies Thedel. Nach einer Weile kam von unten die Antwort: »Is all ut!«

Der Bauer nahm seine Büchse und ging auf den Knüppeldamm. Überall kamen Bauern aus den Fuhren. Alle nickten Harm zu: »Das ging, wie geschmiert!« Er nickte: »Fangt man erst die ledigen Pferde ein, das andere läuft uns nicht weg!« sagte er und alle lachten, aber sie machten lange Gesichter, als er befahl: »Und jetzt müssen wir sie erst [beiroden] und die Wagen in den Busch fahren. Das Bargeld und die Wertsachen geht an Drewes; der soll das Austeilen machen. Und wem ein Pferd genommen ist in dieser Zeit, der kommt an erster Stelle. Für mich laßt eine gute Büchse übrig, bar Geld will ich nicht haben.«

Er sah alle an, die da herumstanden: »Seid ihr auch alle heil geblieben?« Einer rief: »Ja, bloß Viekenludolf ist ein bißchen zur Ader gelassen. Na, der hat ja auch mehr Blut, wie er als Junggeselle brauchen kann!« Alle lachten lauthals los.

Sie hatten sechsundsechzig Pferde, einen Wagen voll Wurst und Schinken und elf Wagen mit Hafer, Mehl und Brot, ungerechnet das Bargeld, die Kleider und die Waffen, gefangen. Ein junger Kerl schrie los: »Kinder, wer gibt auf das Geschäft einen aus?« Alle lachten und Harm rief: »Drewes und ich, nicht wahr, Drewes?« Der tat so, als ob er lachen wollte. »Ist auch wahr,« rief der Wulfsbauer, »immer kann man nicht arbeiten. Heute Abend ist es zu spät und wir haben auch noch allerhand vor, und viele von uns haben einen weiten Weg, aber morgen sollen sich die Junggesellen, soweit sie abkommen können, im Engenser Kruge treffen und ihre Mädchen mitbringen, aber die Gewehre auch, und beim nächsten Male kommen die anderen dran, die morgen zu Hause bleiben müssen. Und nun [hille]!« trieb er; »man darf morgen hier nicht sehen, was sich begeben hat. Die Wagen müssen in den Busch, und was sonst daliegt, muß unter die Erde. Auf Schweineschlachten kommt Reinemachen!« Wieder lachte alles und ging fröhlich an das Werk. Eine Stunde später, als der Mond herauskam, sah der Knüppeldamm so blank aus, wie am Morgen.

Am anderen Nachmittage traf sich das junge Volk in Engensen im Kruge und tanzte, daß die [Deele] donnerte, aber der Wulfsbauer sorgte dafür, daß nicht zu viel getrunken wurde und daß rund um den Krug und nach allen Richtungen um das Dorf Wachtposten standen. Er selber stand an der großen Türe und sah zu, rauchte und trank ab und zu einen Schluck Bier aus dem Kruge, den er neben sich stehen hatte.

Ein Mädchen fiel ihm auf; sie mochte knapp achtzehn Jahre alt sein, hatte ein Gesicht wie Milch und Blut, Haare wie Haferstroh und war wie eine Tanne gewachsen. Sie tanzte mit einem langen, dünnen Bauernsohn, der ein Gesicht hatte wie ein Pott voll Mäuse. Ein jedesmal, wenn sie an Harm vorbeitanzte, sah sie ihn an, als wollte sie ihm ihr Herz vor die Füße legen. Es war Drewes zweite Tochter Wieschen, hörte er, von der man sagte, sie sei rein wie Nesselkraut, und mehr als einer von den Jungens im Dorfe hatte ein dickes Maul mitgenommen, wenn er einen Süßen von ihr haben wollte.