»Is sich serre selten«, fällt ihr die Polin in die Rede, »hierr zu finden Wurst schweinerrne. Is sich vill besserr bei uns zu Hause in Wongrowitz, wo man findett serr oft Wurrst odder Knochenn. Sind sich Pollen nicht so ängstlich mit Eingrabben von alles Abfall, wie Leite hannovversches.«

»Ohle Döllmer«, krächzt sie die Kalenbergerin an, »worümme blivst De denn nich to Huse? Tatternvolk! Erst hier rümmetobetteln un denn ßchimpen! Dat is de rechte Art von so'n Volk. Wat meinst' Nahwersche?« fragt sie dann die Eilenriedekrähe.

»Hast recht, hast recht«, antwortet die, und fährt dann leiser fort, »äöber das stimmt schon, anstellen tun sie sich heute, die Leute, da ist das Ende von weege. Alles einkuhlen und des-, na, wie heißt das olle vermuckte Wort doch, so, desinfezinieren, das wird immer dummerhaftiger. Und mit der Raanlichkeit häöben Se sich! Raanlichkeit muß sein, äöber was zu viel ist, ist zu viel. Auf 'm Schlachthofe, glauben Sie, daß sie däö ein Priepelchen Fleisch liegen lassen? I bewäöhre, jeden Fetzen fäöhren Se raus und roden ihn bei.«

»Sa'n Se mal«, fällt eine Berlinerin ein, »ob dett woll wahr is, wat ick heite jeheert habe, dat de Rennbahn hier uff de jroße Bult kommen dhun soll! Na, dett wär 'ne scheene Pleite für uns. Ick pfeife uff den janzen Sport: Rasse is Mumpitz, 'ne Abdeckerei is mich ville lieber. Det wird iberhaupt immer dammlicher uff de Welt!«

»Besser wird es überhaupt nicht«, meint die aus der Eilenriede. »Wenn ich noch daran denke, vor zehn Jäöhren, als die hohen Fuhren noch vor der Seelhorst standen! Was wäör däö wintertags für ein Leben; an die Tausend von uns schliefen däö. Aber die Leute, die Leute! Erst schmissen sie Giftbrocken hin, und als wir die nicht mehr näöhmen, da trieben sie das Holz ab. Ich häöbe denn bis vor zwei Jäöhren immer in dem Holze vor Misburg geschläöfen, äöber da käömen die Jäger und schossen nach uns. Und seitdem gehe ich nach dem Aäöhltener Holze. Es ist däö jäö 'n bißchen gemischt, zu viel Sääötkrähen und sogäör Dohlen, äöber was soll 'n machen? Hier in der Eilenriede ist an einen ruhigen Schläöf doch nicht mehr zu denken. Noch bei nachtschläöfender Zeit läuft das Volk in 'n Holze herum und überall sind Laternen. Die Welt wird immer dümmer!«

»Da haben Sie wieder recht, mein Süßing«, schnarrt die dicke graue Pommerin, »auch bei uns wird es immer schlechter«, und die Ostpreußin stimmt bei: »Bei uns da oben bei Känigsbarg ist es noch nicht so schlimm; aber weiter hinauf, auf der Nahrung, bei Rossitten, da assen die Manschen Krähenfleisch, und jetzt sitzt da ein Kärlche, Thienemann heißt er, der fängt die Krähen und macht ihnen Ringe um die Beine mit dem Datum darauf und bittet, daß man überall Krähen totschieße und ihm die Füße einschicke, der Wissenschaft wagen. Nu' bitt' ich Sie, was hat die Wissenschaft mit unsern Beinen zu tun. Der Mensch kommt jeden Tag auf neue Dummheiten.«

»Is sich serr rrichtig«, meint die Polin, »setzen sich bei uns in Pollen feeine Herren in Errdheiser, machen sich Uhu grroßes auf Pfahl; kommen sich Krrähen an auf zu beißen Uhu dickköpfiges, schießen sich Herren feine dann mit Gewehrre auf Krrähen, Hundsblutt gemeines niddertrrächtiges!«

»Dat dauet se hiertolanne ook«, meint die Kalenbergerin, »up de Vahrenwohler Heide und hier dichte bi-e, in der Seelhorst, da kümmt ook jümmerst so'n Vogelutstopper ut de Slägerstraate, Wiegand heit dat Lork, de kruppt in'n Busch, sett da so'ne olle utstoppte Kattuhle henne, und wenn 'n denn antofliggen kümmt und will de Uhle einen wischen, pardautz, denn ballert de Kerl los. Awer eck falle up den Swindel nicht mehr rin.«

»Wat eck awer noch seggen wullt: dat mit de Rennbahn hier up de Grote Bult, dat drafft wi üsch nich gefallen laaten. Wenn eck man nich min Haus bi Degersen hätte, denn wüßt eck schon, wat eck dohn deihte. Laat se man koomen met öhre smächtrigen Päre! Eck wollt' se all ball up den Drab bringen. Mit den Snabel den Pären gegen die Oogen, wenn se öwer de Hürden wullt, dat se dat Gnick bräken! Ja! Dat wör dat Richtige! Dann schallt se hier woll wegblieb'n. Laat se doch wo anners herümmejöckeln. Meint Sei nich ook so?«

Die Eilenriedekrähe, an die sie sich wandte, nickt; sie weiß, daß gegen die Menschen nicht viel auszurichten ist. Und dann antwortet sie einer guten Bekannten, die aus hoher Luft ihr einen rauhen Gruß herunterschreit, macht die Flügel auseinander, läßt sich drei Fuß von ihrem Sitz fallen, steigt in die Luft und fliegt krächzend fort.