Drei Monate gingen in das Land, da sah die Kiefernbesamung anders aus, als an jenem Apriltage, an dem der Jagdaufseher die Kaninchen ausgesetzt hatte. Überall war gescharrt, an den Wegen, an der Feldkante, in den Gräben und überall war Kaninchenlosung. Der Jagdpächter freute sich, wenn er in der Dämmerung von dem Hochsitze in der Eiche den Graben in das Glas nahm und überall die Kaninchen hin- und herflitzten, doch es wunderte ihn, daß der starke Bock, der sonst immer hier austrat, sich nicht mehr spürte. Aber dem war es in der Besamung und in dem Stangenorte zu unruhig geworden; Tag und Nacht ruschelte und raschelte und pochte und kratzte es, und überall roch es nach den fremden Tieren, und kein Fleck war, wo nicht deren Losung lag. Deshalb war er in die Nachbarjagd ausgewandert. Auch die beiden Hasen, die sich sonst jeden Abend vorn in der Kleewiese ästen, waren verschwunden. Erst hatten sie tiefer in der Wiese geäst, als aber die Kaninchen auch dort das Gras mit ihren Pässen durchzogen, rückten die Hasen auch über die Jagdgrenze.
Reineke Rotvoß, der Schleicher, hatte es bald spitz, daß es in der Besamung ein neues Wild gab. Er gab sich zwei Monate lang die größte Mühe, eins von den unbekannten Tieren zu erwischen, aber es gelang ihm immer vorbei. Und wenn er es noch so schlau anstellte, sie entwischten ihm jedes Mal und dann stand er vor dem Bau, schnupperte in die Fahrt hinein, zog Geschmacksfäden, wie ein Hund beim Hochzeitsessen, scharrte sich lahm und müde und zog schließlich hungrig und ärgerlich ab. Beinahe hätte er Flitzchen einmal geschnappt, aber da klopfte Hopps laut auf den Boden und Flitzchen schlug drei Haken und fuhr durch den Dornbusch zu Bau, der Fuchs schrammte sich heftig an den Dornen und machte, daß er weiter kam. Auch Griepto Hoihnerdeiw, der Habicht, hatte kein Glück bei den Kaninchen, und wenn er noch so listig an der Kante der Besamung entlang strich. Jedes Mal, wenn er sich sagte: »So, nun mache dein Testament!« dann witschten die grauen oder schwarzen Dinger in den Busch oder in ein Loch. Einzig und allein Dickkopp, der Kauz, hatte Weidmannsheil und griff, als er lautlos aus der Eiche abstrich, ein Jungkaninchen. Die anderen aber retteten ihre Bälge und wuchsen und gediehen und als ein neuer Frühling in die Heide zog, da machte es nichts mehr aus, riß der Fuchs auch einmal ein Stück oder griffen sich Kauz und Habicht eins, denn es waren ihrer schon viel zu viele und alle vier Wochen wurden es mehr.
Schon bald fingen die Bauern an, lange Gesichter und runde Augen zu machen, wenn sie die Gänge im Getreide sahen und einer klagte dem anderen seine Not über das neue Unzeug. Als es von Monat zu Monat schlimmer wurde, rückten sie dem Jagdaufseher auf den Leib, aber der tat, als wüßte er nichts und ebenso machte es der Jagdpächter, denn er sagte, ihm seien die Kaninchen selbst lästig, weil sie die Hasen und die Rehe vertrieben. So war es auch; seitdem Hopps, Witschel und Flitzchen und ihre Nachkommenschaft und die Nachkommenschaft davon und deren Nachkommen und so weiter in den Heidbergen waren, hatten sich die Hasen nach und nach verzogen und die Rehe waren in die Nachbarjagd hinübergewechselt, die aus Bruch und Moorwald bestand und in der die Kaninchen nicht leben konnten.
Als es ganz schlimm wurde, veranstaltete der Jagdpächter Treibjagden allein auf Kaninchen und wenn auch den ganzen Tag über geknallt wurde, auf zehn Schuß kam meist noch nicht ein Viertel Kaninchen, denn, wie der Jagdpächter sagte: »Vorn ist das Deuwelszeug zu schnell und hinten zu kurz.« Der Jagdaufseher kaufte Frettchen und Garne und ging ihnen damit zu Balge, aber in der dichten Besamung und bei den verzweigten Bauen, die alle keinen Anfang und kein Ende hatten, lohnte das auch nicht. Er stellte Tellereisen in die Röhren und an die Kratzstellen, aber die Kaninchen hatten den Schwindel bald heraus und fielen nicht mehr darauf hinein, und als der Jagdaufseher Schwefelkohlenstoffbomben in die Baue warf, hatte er erst recht keinen Erfolg, weil die Baue zu viel Ausfahrten hatten. Und daß er sich hinsetzte und sie auf dem Anstand abschoß, das brachte ihm nicht Schußgeld genug.
So lebten denn Hopps, Witschel und Flitzchen lustig weiter und von Jahr zu Jahr nimmt ihre Sippe zu. Längst haben sie die Gemeindegrenze überschritten, rund herum finden sich neue Siedlungen und alles, was Land oder Garten hat, flucht ihnen.
Es schadet ihnen aber nicht im mindesten. »Der Mensch ist stark und schlau,« sagt Hopps, der alte, »aber gegen uns kann er nicht ankommen. Witschel hat voriges Jahr achtmal geworfen, meist sechs Stück, einmal weniger, das andere Mal mehr, im Durchschnitt aber sechs. Sechs mal acht sind achtundvierzig.«
»Und ich habe im letzten Jahre vierunddreißig gehabt«, meint Flitzchen.
»Na also«, spricht Hopps.