Das gab nun ein großes Hallo, und als sie alle auf einem Haufen standen und lachten und schimpften, da plauschte es in den Weiden, schnaufte es, brach es, und weg war er, der Keiler, und in den großen Weizenschlag gewechselt. Als man den aber abspürte, stellte es sich heraus, daß er in den Roggen hinein war, und da spürte man das Roggenfeld ab und fand, daß er schon in den Viehbohnen war, und da war er auch schon wieder heraus und in das Holz hinein.

Man hielt Kriegsrat ab, beschloß, das Holz zu treiben, machte drei Triebe, aber wer sich nicht blicken ließ, das war der Basse, denn der steckte schon längst in dem großen Haferschlage.

Der Sommer ging, der Herbst kam; der Keiler war noch immer im Helmetal, aber das Helmetal war lang und breit. Da es mit Gewalt nicht ging, versuchte man es mit List, körnte ihn an, streute ihm Mais, Hafer, Rüben, Wurzeln. Er nahm sie manchmal auch an, aber nur dann nicht, wenn irgendwo ein Jäger auf ihn ansaß, oder wenn schon, dann erst, wenn Himmel und Erde eins waren und man das Ende vom Gewehre nicht mehr sehen konnte.

Kinder, die Beeren pflückten, und Frauen, die Dürrholz lasen, lief er am hellichten Tage an, nur keinen Mann, der einen grünen Rock anhatte, bis auf den alten Forstmeister, der ihn am blanken Mittage aus der Suhle steigen sah und sich beinahe seinen ehrwürdigen Bart ausriß, denn als er die Büchsflinte von der Schulter und den Hahn übergezogen hatte, da hatte ihn die Sau auch schon spitz und ging flüchtig ab, und die Kugel traf sie ebensowenig, wie die unchristliche Redensart, die der Weißbart ihr nachrief.

Schließlich kam er einem ganz jungen Förster, aber der führte Weichblei und der Eingänger stand halbspitz von vorne; er bekam die Kugel zwar gut Blatt, aber bei so einem alten Panzerschweine, dessen Schild hart und dick wie die Haut des Nilpferdes ist und eine fingerdicke Harzkruste trägt, ist gut Blatt von vorne der schlechteste Schuß und schlecht Blatt von hinten die einzig wahre Stelle, und so schnaufte die Sau bloß, machte kurz Kehrt und der Förster stand da und benahm sich wenig geziemend.

Am übelsten aber ging es einem Gutsverwalter. Dem hatte der Eingänger ein Kartoffelstück, das in einer Waldecke lag, so zugerichtet, daß der Spaß dabei aufhörte. Nun war dieser Gutsverwalter ein ganz gerissener Mann. Er ließ den Knecht anspannen und eine Leiter aufladen. Dann mußte der Knecht unter eine Eiche fahren, die vor den Kartoffeln stand, und vom Wagen aus, damit keine Fährten den Bassen vergrämten, wurde die Leiter in den Baum gestellt und darüber ein Hochsitz gemacht, und den nahm der Verwalter ein und der Knecht fuhr weiter.

Das war um fünf Uhr nachmittags. Um zehn Uhr abends meinte der Verwalter, daß es allmählich Zeit für den Keiler wäre. Der wartete aber, bis der Mond hinter den Wolken war und dann machte er sich in aller Seelenruhe über die Kartoffeln her, schmatzte, daß es eine Freude war, zu hören, wie es ihm schmeckte, aber als der Mond wieder die Wolken beiseite schob, hielt der Keiler es doch für besser, sich zu empfehlen. Zuvor aber schubbelte er sich noch solange an der Eiche, auf der der Verwalter saß und sich bald den Hals abdrehte, bis daß er glücklich die Leiter umwarf und erschrocken abtrollte.

Der Verwalter aber mußte die ganze Nacht im Baume sitzen und war, als morgens der Knecht kam, um zu sehen, ob er noch lebte, vor Kälte so steif, wie eine überjährige Mettwurst, so daß er kaum die Leiter hinuntersteigen konnte. Der Keiler aber kam nicht wieder; die Geschichte mit der Leiter hatte er übelgenommen.

Der Herbst ging und der Winter kam; der Keiler war noch immer da, aber er schätzte die Abwechslung zu sehr und so kam er nicht zu Schusse. War er gestern im Buchenaltholze gewesen und hatte sich an den süßen Bucheckern gütlich getan, heute war er ganz gewiß nicht da, sondern eine halbe Meile weiter, wenn nicht eine ganze, denn die Nächte waren lang.

Unverschämt, wie er war, kam es ihm gar nicht darauf an, eingemietete Kartoffeln oder Rüben auszuwühlen oder in den Pflanzgärten Unfug anzustiften, und einmal, als er spät abends quer über die Landstraße schoß, warf er den Briefträger um, der ohne Licht dahergeradelt kam; an dem Rade waren drei Speichen und an dem Briefträger drei Rippen aus der Reihe gekommen.