Das Schlimmste war, keiner wollte glauben, daß der böse Keiler das gemacht hätte, sondern alle sagten, es würde wohl das gute Bier gewesen sein. Aber es war wirklich der Keiler gewesen und ihm hatte der Vorfall ebensowenig gepaßt, wie dem Briefträger und der Postbehörde, die, bis der Briefträger wieder aus dem Bette war, was drei Wochen dauerte, Vertretung stellen mußte.
Schließlich hieß es: »Wenn wir nur erst Spürschnee haben!« Der ließ aber bis Weihnachten auf sich warten, und dann war es wieder verkehrt, denn nun schneite es in einem Ende und schneite die Fährten, die der Keiler machte, alle wieder zu, und dann gab es Tauwetter und Plattfrost und Regen und wieder Plattfrost, und es war nichts zu wollen.
So wurde es Ende Januar, bis daß der Basse bestätigt wurde. Boten liefen und ritten, Fernsprecher klingelten, Butterbröte wurden gestrichen, Schnapsflaschen gefüllt, und um zehn Uhr hielten acht Wagen bei der Oberförsterei.
Der Forstmeister hielt in Anbetracht der Schwere des Falles eine Rede, teilte mit, daß ein Fehlschuß mit einem Taler zu Gunsten der Hinterbliebenen im Dienste erschossener Forstleute bestraft werde, empfahl Vorsicht, denn angeschweißte Sauen wären von großer Rücksichtslosigkeit und kümmerten sich den Teufel weder um das Strafgesetzbuch noch um die Haftpflicht, wären außerdem nervös und hätten am liebsten ihre Ruhe, weswegen man sich völlig lautlos, womöglich noch leiser, zu seinem Stande zu verfügen habe, auch sei Niesen und Husten bis zum Abblasen zu verschieben.
Es war ein bildschöner Tag. Der Himmel war hoch und die Luft war still, die Fichten hatten Schneemützen auf und die Jungbuchen weiße Hemden an, die Krähen stachen sich in der Luft und die Meisen piepten in den Zweigen. Es dauerte eine Stunde, bis daß die Schützen angestellt waren, und mancher von ihnen fand, daß eine Saujagd auf die Dauer ein fußkaltes Vergnügen wäre. Aber dann wurde angeblasen und warm lief es ihnen zwischen Hemd und Haut über den Rücken.
Erst kam eine halbe Stunde gar nichts; dann dem einen ein Fuchs und dem anderen ein Hase, aber darauf zu schießen, war bei Todesstrafe, ja sogar bei zehn Mark Geldbuße verboten, und dann kam eine ganze Weile wieder nichts, und dann ein Treiber und noch einer.
Schon seufzten die gesitteten Jäger, und die ungesitteten murrten dumpf, da gab ein Hund Laut, und noch einer, und der dritte, und es war ein Lärm, wie auf einer internationalen Hundeausstellung, und dann pfiff ein Hund in den höchsten Tönen; die andern aber gaben Standlaut.
Und dann fiel ein Schuß, und dann schrie jemand: »Hülfe, Hüülfee!« und die einen sahen sich nach anständigen Bäumen um und fanden es rücksichtslos, daß ringsumher nur junge Bestände waren, die höchstens eine Eichkatze, aber keinen ausgewachsenen Mann tragen konnten, andere aber rannten, so schnell sie ihre langen Stiefeln tragen wollten, dahin, wo der Lärm war, und da sahen sie ein Bild, schrecklich schön und doch zum Lachen.
Da war nämlich ein Heringssalat von einem Keiler, sechs Hunden und vier menschlichen Gliedmaßen, von denen zwei in langen Stiefeln steckten und ganz erbärmlich zuckten, während ihr Besitzer andauernd um Hilfe schrie und mit dem Büchsenkolben bald den Keiler, bald die Hunde abwehrte.
Es war ein solches Gekrabbel und Durcheinander, daß keiner wußte, was ist nun Schütze, was Sau, was Hund, und so mochte niemand dem Keiler den Fangschuß geben, noch ihm mit der kalten Waffe auf die Schwarte rücken.