Da sprang der jüngste Schütz, ein dünner Forstlehrling mit einem Milchgesicht und noch ganz glatt unter der Nase, mit drei Sprüngen hinzu, setzte sich rittlings auf den Keiler, faßte ihn am Gehöre, zog vom Leder und ehe die ausgewachsenen Männer noch recht wußten, wie es zugegangen war, stand er neben dem Keiler, steckte die rottriefende Wehr in die Scheide, trat die Hunde ab und riß den verunglückten Schützen unter der Sau fort.

Nun schrie alles »Bravo!« und dann sah man sich den Mann an, der fünf Minuten lang unter der Sau gelegen hatte. Er sah böse aus, denn die Hunde hatten ihm in ihrer Wut die Hosen in ganz erheblichem Maßstabe geflickt und ihm andauernd im Gesicht herumgestanden. Das war aber auch alles; die Knochen hatte er noch alle zusammen und einen Fleischschmiß auch nicht abbekommen.

Man gab ihm einen Schnaps und nun sollte er erzählen. Ja, was war da zu erzählen? Er hatte gehört, wie dicht vor ihm die Hunde den Keiler verbellten, hatte sich herangebirscht und geschossen. Von da ab erinnerte er sich der Reihenfolge der Tatsachen nicht mehr ganz genau. Er wußte nur, daß er auf einmal unter dem Keiler und zwischen einer unglaublichen Masse von Hundebeinen lag, daß ihm bald der Schnee, bald der Geifer der Sau in Mund und Augen flog und dann wäre es ihm heiß und naß über das Gesicht gelaufen und dann hätte er gar nichts mehr sehen können.

Er möchte bloß wissen, wo seine goldene Uhr und seine silberne Zigarrettendose sei und ob drei Büchsenmacher wohl wieder seine funkelnagelneue Doppelbüchse, Wert vierhundert Mark, halbwegs gesund bekämen. Aber schließlich: die Hauptsache sei doch, daß er Jagdkönig sei. Es sei die erste Sau, die er geschossen habe. Daraufhin trank er noch einen Schnaps.

Der Keiler wurde auf die Brandrute gezogen und dann suchte man den Anschuß. Es war keiner da. Rundumher Hohngelächter der Hölle; das Gesicht des glücklichen Schützen wurde noch einmal so lang, das des Forstlehrlings nahm eine vollmondartige Form an. Man drehte die Sau um und um, besah sie von vorn und hinten, es war und war kein Anschuß zu finden. Der Schütze mußte zeigen, wo er gestanden und wohin er geschossen hatte, und da fand man den Anschuß; eine Jungfichte war mitten durchgeschossen. Neues Hohngelächter! Drei Mark für den Verein Waldheil fällig wegen Fehlschusses! Drittes Hohngelächter!

»Malhör über Malhör!« sprach der Forstmeister, brach einen Bruch, zog ihn durch den roten Schweiß und reichte ihn auf seinem Hute dem Forstlehrling. »Sau tot!« blies das Horn. Heim ging es. Fast alle ließen die Köpfe etwas hängen. Und leise sprach der Forstmeister: »Pech ist Pech! Das größte Pech hat der Bengel da; fängt ein gesundes Hauptschwein mit der kalten Waffe ab. Wenn der nicht Größenwahn kriegt, weiß ich es nicht!«

Am anderen Tage kam der Trichinenbeschauer, machte seine Proben und sprach mit strahlendem Gesichte: »Trichinen hat er ooch!«

»Auch das noch!« sprach der Forstmeister und trank einen Schnaps.