Pärchen auf Pärchen flattert über den Teich, einen Binsenhalm suchend und daran hängenbleibend. Dann, während das Männchen das Weibchen noch festhält, macht dieses seinen Hinterleib frei, stochert mit der Spitze an dem Binsenhalme herum, verwundet ihn mit dem Legebohrer und legt ein Ei unter die Oberhaut des Halmes.
Dann kriecht es, das Männchen herabziehend, etwas tiefer, bohrt wieder die Binse an, legt abermals ein Ei und fährt so fort, bis es den Wasserspiegel erreicht hat. Aber dort macht es noch nicht halt; es klettert weiter, bis es im Wasser untertaucht, das Männchen mit hinabziehend, und wie zwei große silberne Blasen hängen die beiden Tierchen dann unter dem Wasserspiegel an dem Binsenhalme.
Unten im Wasser, wo es einst als schlanke, flinke Larve lebte, bohrt das Weibchen wieder den Halm an, legt ein Ei hinein und rückt immer mehr nach unten, bis es das Ende des Halmes erreicht hat. Dann klettert das Männchen wieder empor und zieht das Weibchen nach sich, und ungefährdet durch Stichling und Schwimmkäferlarve, die die silberglänzende Luftschicht, die das Pärchen einhüllt, scheuen, tauchen sie über dem Wasser auf und flattern dem Lande zu.
An der Stelle, an der das Weibchen den Binsenhalm anstach, liegt in einer der geräumigen Luftzellen des Markes ein Ei, vor Feinden, Sonnenbrand und Frost gesichert. Ist das Ei reif, so schlüpft das Lärvchen aus und sucht das dichteste Pflanzengewirre auf. In den zerfaserten Blättern des Wasserhahnenfußes hält es sich verborgen und mästet sich an winzigen Krebstierchen, häutet sich, wenn der alte Rock zu kurz und zu eng wird, und lebt so, wie alle Libellenlarven leben.
Trotzdem es so zierlich und so schlank und mit so prächtigen Blakkiemen am Ende des Leibes geschmückt ist und lange nicht so plump und so unheimlich aussieht wie die Larven der großen Wasserjungfern; ein schlimmer Räuber ist es doch, und der Wasserfloh wie die Eintagsfliegenlarve, die ihm entgegenkommt, werden von der Fangmaske erfaßt und müssen ihr Leben lassen. Wenn sie so groß wäre wie die Larve der anderen Libellen, so wäre sie noch ein schlimmerer Räuber als diese, denn sie wechselt öfter ihren Platz und weiß ihre Beute geschickt anzuschleichen.
Meist aber hängt sie regungslos zwischen den Faserblättern und lauert auf das, was zu ihr kommt, bis ihre Zeit um ist und sie das Wasser verläßt, ein Riedgrasblatt ersteigt und wartet, bis ihre Haut reißt und aus ihr ein silbern blitzendes, goldgrün funkelndes Jüngferchen wird, das in zierlichem Zitterfluge an dem Teiche entlang flattert, hier und da, wo ein Blattläuschen sie lockt, sich niederlassend, oder wo ein winziges Räupchen kriecht, anfliegend, oder einen Gespielen suchend zum Hochzeitsfluge, damit es an den Büschen im Teiche im anderen Jahre wieder silbern blinkt und goldig blitzt.