Lestes viridis Linden und L. nympha Selys.
An dem Teiche, der nicht weit von dem See vor dem Bauernwäldchen in der Feldmark liegt, geht es heute mittag hoch her.
Es ist so still und so warm, und deshalb halten die Schlankjungfern heute Massenhochzeit.
Sie mögen keinen Wind; zu zart sind ihre Silberflügelchen, zu gebrechlich ihre goldgrünen Leibchen, die so dünn wie ein Grashalm sind; jeder stärkere Windhauch weht sie in das Ried.
Aber heute brauchen sie den Wind nicht zu fürchten; so kommen sie alle aus ihren Verstecken zwischen den Blättern und Halmen hervor, flattern an dem Ufergebüsch entlang, wagen sich auch auf das Wasser, aber zu weit fliegen sie nicht und suchen bald einen Binsenhalm oder ein Grasblatt.
Manch eine verliert aber doch vor der Zeit die Kraft und fällt auf das Wasser; dann ist sofort ein Stichling da, der sich ihrer bemächtigt, oder ein großer Schwimmkäfer packt sie, und die grünen Frösche, die auf den Mummelblättern sitzen, schnappen viele von ihnen fort.
Auch auf dem Brombeerbusche und im Erlenlaube droht Gefahr, denn da sitzt der Laubfrosch und wartet auf sie, Sumpfmeisen führen dort ihre Brut, und die zarten Libellen geben ein bequemes Futter. Sogar die Waldeidechse, die unter dem Farrn ihren Schlupfwinkel hat, ist sehr erpicht auf sie, und alle Augenblicke schnappt sie eine fort.
Aber es gibt genug Schlankjungfern hier, denn überall kriechen an den Binsen und an den Riedgrasblättern die reifen Nymphen empor, und aus vielen schlüpfen eben die Libellen aus, um sich von der Sonne trocknen und härten zu lassen, bis sie kräftig genug zum Fluge sind.
Andere aber, die schon älter sind, sorgen fleißig dafür, daß es übers Jahr genug von ihnen gibt; unzählige Pärchen haften an den Grasblättern und im Gebüsche, der Liebe sich freuend, bis ernstere Pflichten ihrer warten.