Libellula flaveola L., L. sanguinea Müll., L. scotica Donov.

Unmerklich geht das Moor in die Heide über; der Boden hebt sich langsam, statt der Moorbirken treten krüppelige Kiefern auf, und an Stelle des Riedes und der Wollgräser herrscht das Heidekraut.

Am schönsten ist es auf der hohen Heide. Da blitzt der Sand von bunten Kieseln, da fiedeln die Grillen, steigt die Schnarrheuschrecke rasselnd empor und prahlt mit ihren purpurroten Flügeln. Sandkäfer fliegen auf; ihre goldgrünen Hinterleiber blitzen in der Sonne, um jedes rosig blühende Zweiglein tanzen die Bläulinge und streiten sich mit den Bienen, wer zuerst trinken soll.

Ein schwerer Honigduft mischt sich mit dem Kiengeruche, den die Kiefern ausströmen, deren ernste Kronen im heißen Spätsommerwinde eine seltsame Weise rauschen, während die Heidelerche, die hoch oben in den Lüften hängt, ihr Liedchen dudelt, aus der Ferne der Glockenruf des Schwarzspechtes herüberklingt, und in der Nähe die Haubenmeisen locken.

Es ist Leben genug hier auf der Heide. Es summt und brummt ringsumher und rispelt und krispelt überall im Renntiermoose und Heidekraute. Darüberhin aber schwirren und flirren die Libellen in der heißen Nachmittagssonne, blitzen hier auf, verlöschen im Heidekraut, umkreisen sich, prallen voreinander zurück und rascheln weiter.

Fast immer sind es kleinere Arten; selten verlieren sich die Strandjungfern und Uferlibellen hierher, niemals die Seejungfern und die Schmaljungfern, und es muß schon ein Zufall sein, wenn sich eine der wilden Edellibellen bis hierher verfliegt. Heidelibellen sind es, die hier fliegen; als Larven lebten sie in den Riedsümpfen, die hier und da am Grunde der Sandberge liegen, und jetzt, da sie das Wasser mit der Luft, das Kriechen mit dem Fliegen vertauschten, wollen sie auch auf der Heide bleiben.

Sie tragen auch Farben, wie sie in die heiße Heide passen. Glührot schimmern ihre Leiber, und über ihren Silberflügeln liegt ein gelber Schein, als habe die Sonne sie versengt. Und da die Heide auch ein ernstes Gesicht machen kann, fliegt auch eine düstere Libelle mit trüben Flügeln und schwarzem Leibe hier; aber auch sie blitzt silbern in der Sonne, und scharf leuchtet ihr Leib, denn in der heißen Septembersonne schimmert heute alles, der Kiesel im Sande und der Stamm der Kiefer, die dürre Grasrispe und das trockene Renntiermoos, und der halb verdurstete Riedsumpf zwischen den mageren Kiefern spielt in allen Farben.

Das ist das große Libellenstelldichein; da blitzt und schimmert es lustig durcheinander von silbernen, goldig überhauchten Schwingen und roten Leibern. Die einen haften an den Stämmen, fallen auf den grauen Zweigen des toten Wacholderbusches ein, schwärmen über dem silbern blitzenden Preiselbeergestrüpp; die anderen aber, die mit dem starken Goldschein am Grunde der Flügel, spielen am liebsten über dem Sumpfe selbst, wo das Wasser vom Torfmoose erfüllt ist, die hellen Motten haschend, die hin und her flattern.