Als Räuber schlüpft die Libellenlarve aus dem Ei, als winziger Räuber, der unter den allerjüngsten Mückenlarven aufräumt und sich an immer größere Tiere wagt, je mehr er wächst; kaum hat die Libelle die Nymphenhülle verlassen, hat eben erst Flugkraft erlangt, hat sich noch nicht halb ausgefärbt, so fliegt sie schon auf Raub aus, und sind ihre Flügel auch schon zerfetzt und ausgefranst, daß sie nur noch mühsam dahinflattert, sie raubt weiter, bis es mit ihr zu Ende geht, und noch im Sterben lassen ihre Kiefer die letzte Beute, die sie machte, nicht los.
Kurzsichtige Menschen, die nicht weiter sehen, als ihre Nase reicht, sind auf den großen Gedanken gekommen, die Mückenplage dadurch zu bekämpfen, daß man Öl auf die Gräben und Teiche gießt, so daß die Mückenbrut ersticken muß. Aber nicht alles, was sticht, entwickelt sich im Wasser, denn die Larven der Kriebelmücken, blinden Fliegen und Bremsen leben im Torfmoose und Mulm. Alles aber, was in den Gräben und Tümpeln lebt, die mit Öl begossen werden, muß sterben, die Kaulquappe wie die Molchlarve und alle die vielen Libellenlarven, die weiter nichts zu tun haben, als Mückenbrut zu vertilgen.
Es ist ein aberwitziger und kein kluger Gedanke, auf den der Mann gekommen ist, der den Ölkrieg gegen die Mücken predigte, und wahrscheinlich hat er seine Naturkenntnis aus trockenen Büchern gewonnen und nicht daher, wo einzig und allein wahre Kenntnis der Natur zu erringen ist, dort, wo die Wipfel rauschen und die Blumen blühen, wo die Welle klatscht und das Rohr raschelt.
Freilich, die großen Libellenlarven fangen auch manchen Jungfisch und räumen gewaltig unter den Kaulquappen und Molchlarven auf; aber der See wimmelt von Fischbrut; blieben alle die Hunderttausende von jungen Fischen am Leben, das Plankton des Sees würde nicht ausreichen, sie zu ernähren, und so sind ihnen die Libellenlarven und die Raubfische gesetzt, damit ihre Anzahl nicht übergroß wird.
Nutzen und Schaden, es sind zwei Begriffe, die die Natur nicht kennt; erst der Mensch hat sie ihr untergelegt, aber da jeder Mensch die Natur und ihre Wesen nur danach bemißt, wie es sein eigener Nutzen ihm zu fordern scheint, so stürzt er sich aus Trugschlüssen in Fehlurteile, vernichtet sinnlos die eine, rottet zwecklos eine andere Tierart aus, ohne zu bedenken, daß die Natur sich ganz von selber regelt. Er verfolgt den Eisvogel, der dem Fischzüchter die Schwimmkäferlarven fortfängt, und züchtet den Staar, der Weingärten und Kirschbäume plündert, im Übermaße.
Er täte besser, nicht immer und überall den Vormund der Natur zu spielen; sie ist nicht so leicht zu übersehen, und was heute als schädlich erscheint, gilt morgen als nützlich. Die Libelle, die hier die Stechfliege und den Kohlweißling vertilgt, hat, als sie noch im Larvenzustande in der Seebucht lebte, die Brut der gemeinen Weißfische gefressen. Es sei ihr gegönnt; sie macht es dreimal wieder wett.