Meist ist es einsam hier, außer in der Zeit der Heuernte und wenn Torf gestochen wird; darum liegt das Birkwild hier gern, horsten die Mooreulen und Weihen im sumpfigen Ried, birgt sich der Fischotter im dichten Weidengestrüpp, und ab und zu erscheint der Schwarzstorch, der tief im Walde sein Nest hat, und stellt den Mäusen und Kreuzottern nach; oder der Gabelweih schaukelt über die Torfstiche und sieht zu, ob er nicht einen Frosch erwischen kann.

Zahllos sind die Falter, die hier fliegen, vom rostroten Spinner, der unstät über die Brombeerbüsche an den Wegrändern zickzackt, bis zum zierlichen Bläuling, der über das Ried tänzelt, und der winzigen Motte, die scharenweise aus dem Grase hervorhuschen, wenn die Kühe sie aufscheuchen. Und die können den ganzen Tag Ohren und Schweife nicht stillhalten, denn die Luft ist erfüllt von Grillen, Stechfliegen, Mücken, blinden Fliegen und Bremsen, die singend, summend und brummend über das Vieh herfallen.

Es würde noch viel mehr des Geschmeißes vorhanden sein, wenn die Wasserjungfern nicht da wären und ihre Larven. In jedem Graben, jeder Tongrube, in allen Torflöchern hängen die Larven in den Ranken des golden blühenden Wasserschlauches, zwischen den Blättern der Sumpfprimel und in dem Gewirre des jungen Torfmooses, wo es von Mückenlarven wimmelt. Alle Arten von Libellen sind dort als Larven vertreten, zierliche, feine, grasgrüne Geschöpfchen und plumpe, dicke, schlammbraune Wesen; die einen wie die andern tun den ganzen Tag weiter nichts, als daß sie ihre Fangmasken hervorschleudern und sie mit einer Mückenlarve darin wieder zurückziehen.

Auch die Libellen, die überall umherschwärmen, sorgen dafür, daß das stechende Geschmeiß nicht überhandnimmt. Sobald die Sonne scheint, sind sie zu Tausenden da und richten ein verheerendes Gemetzel unter dem Ungeziefer an; mag auch die Bremse noch so schnell sein, die dunkelrotbraune, blaugemusterte Edellibelle greift sie mitten im Fluge, und ob sie auch noch so brummt und zappelt, ihr vom Blute der Kühe bis zum Platzen gefüllter Leib verschwindet unter den zermalmenden Kiefern, und die Ameisen tragen ihre Flügel fort, die auf den Weg herunterfielen.

Ebenso geht es der blinden Fliege, die, ihre schwarzweißen Flügel ausbreitend und mit den smaragdgrünen Augen vor sich hinstarrend, auf der Spitze eines Grashalmes sitzt, satt vom gesogenen Blute; über ihr rüttelt eine goldflügelige Libelle mit goldgrün schimmerndem, gelb eingefaßtem Leibe und stiert mit grünen Augen auf sie hinunter. Ein Stoß, ein Zuschnappen, und die schwarzweiße Fliege plagt keine Kuh mehr.

Auch die graue Fliege, die, angelockt von der Ausdünstung der beiden Hütejungen, die sich auszogen, um in der Tongrube zu baden, dahinfliegt, wird die Jungens nicht peinigen; blitzschnell saust eine kleine, gelbe Jungfer daher, packt sie und setzt sich auf ein Weidenblatt, um sie hurtig zu zerpflücken und dann wieder da hin und her zu flirren, wo ihre gelben und roten Genossinnen sich tummeln. Sogar die Mücken und die Grillen, die sich im Grase versteckt halten, werden von den blauen, grünen und roten Schlankjungfern erspäht und ergriffen.

Es ist schlimm hier mit dem Ungeziefer, so schlimm, daß die Bauern, wenn sie ihr Vieh zum ersten Male nach dem Winter auf die Weide schicken, es am ganzen Unterleibe mit dickem Öl einsalben müssen, denn in solchen Haufen fallen die Kriebelmücken über die unglücklichen Tiere her, daß sie schwer krank werden und manchmal sogar an den Folgen der unzähligen Stiche fallen. Darum ist die Tätigkeit der Wasserjungfern nicht hoch genug einzuschätzen, denn bei ihrer Menge und ihrer Gefräßigkeit verringern sie die Scharen der Vieh- und Menschenpeiniger beträchtlich, und was sie und ihre Larven davon vertilgen, übersteigt das, was die Vögel darin leisten, wohl ganz bedeutend.

Ihr Heißhunger kennt keine Grenzen. Die große goldgrüne Jungfer, der der eine Hütejunge aus Versehen mit einem Peitschenschlage den Hinterleib abschlug, und die nun im Grase liegt, läßt die Bremse nicht fahren, die sie in den Kiefern hält, und während schon die Ameisen an ihrem zerrissenen Leibe hängen, frißt sie ihre Beute doch noch erst auf. Über der Tonkuhle zieht ein braunrotes Edellibellenmännchen seine Kreise, ab und zu zur Seite fahrend und eine bunte Blindfliege erhaschend. Jetzt hat es im Blattwerk des Kolbenrohres ein Weibchen erspäht; treibt es aus dem Versteck, faßt es und sinkt damit in das Gras, aber während es das Weibchen zur Liebe zwingt, frißt es darum die letzte Fliege, die es fing, doch dabei auf. Seine Liebestollheit ist groß, aber ebenso groß ist seine Freßgier.

Wenn die Libellen hier nicht wären, bekämen die Ackerbürger keinen einzigen Kohlkopf von ihren Feldern am Rande der Moorwiesen, denn viele weiße Schmetterlinge tummeln sich dort. Aber nicht sehr viele kommen dazu, ihre Eier an die Kohlpflanzen zu kleben, denn über den Feldern schweben Libellen über Libellen, und alle Augenblicke stürzt sich eine auf einen Falter, greift ihn und läßt sich damit zu Boden fallen; nach kurzer Zeit ist nichts mehr von ihm übrig als die Flügel, die Fühler und die Beine, willkommene Baustoffe für die Ameisen, die schleunigst damit abziehen.