Am Strande
Libellula depressa L.
Wo die letzten Häuser der Stadt liegen, da ist der Strand kahl. Das Gänsefingerkraut wuchert dort und schmückt den Sand mit goldenen Blumen, Kriechseggen durchflechten ihn mit ihrem zähen Wurzelwerk, und zwischen ihren harten Blättern rennen allerlei kleine hurtige Käfer.
Ein strenger Schwefelwasserstoffgeruch liegt über dem ganzen Strande, denn der Wellenschlag hat dicke Bänke der zerbrechlichen Armleuchtergewächse auf das Ufer geschoben, und nun fault das Wasserkraut, und sein Schwefelgehalt wird frei.
Ganz langsam und sacht fällt der Strand ab, so daß die Kinder fünfzig Fuß in den See waten können, bis zu dem Abhang, wo die gewaltigen, ganz von weißen Blumen bedeckten Rankenmassen des Wasserhahnenfußes auf den Wellen treiben und die Stelle anzeigen, wo der Abgrund beginnt.
Aber die Kinder waten an dieser Stelle nicht gern in den See, sondern viel lieber mehr nach der Stadt zu, weil dort der klare Sand unter dem Wasser steht; hier aber bedeckt ein butterweicher, graublauer Ton den Seegrund, in den die nackten Füße tief einsinken, und werden sie herausgezogen, dann steigen dicke Blasen aus dem Wasser auf, die nach Jauche riechen.
Weil nun die Kinder hier fast nie umherwaten, wird diese Strecke des Strandes wenig beunruhigt, und da die lange, silbernleuchtende Bank, die der Wasserhahnenfuß bildet, den Wellenschlag abhält, ist das Wasser hier still. Laichkräuter gedeihen hier, und in dichten Polstern wuchern die Armleuchterpflanzen.
Oberhalb dieser Strecke ist die Stelle, wo das Vieh zu trinken pflegt, wenn es von der Weide kommt; der Wellenschlag führt den aufgelösten Dünger weiter und lagert ihn auf der Tonbank ab. Das ist das beste Futter für die Wasserflöhe, und darum wimmelt es zwischen der Bank aus Wasserhahnenfuß und dem Ufer von ihnen, so daß zu gewissen Stunden das ganze Wasser rötlich aussieht, denn nach Millionen und Abermillionen zählt das winzige Getier.