Die mit Blechwaren hausierenden Schönheider nannte man »Röhrenschieber«. Mit ihnen waren es auch Bärenwalder, Bernsbacher und Beierfelder, welche auf Schiebkarren oder kleinen selbstgezogenen Wagen die schwarzen Blech- und Eisenwaren von Ort zu Ort fuhren und so lange von ihrem Dorfe fortblieben, bis sie alles verkauft hatten.
Neben den Haarnadeln und anderen in das Nadlergewerbe einschlagenden, aus Stahl gefertigten Gegenständen lieferte Oberwiesenthal vor etwa 100 Jahren besonders auch Stecknadeln, zu denen der Messingdraht aus Rodewisch bezogen wurde.
Unter den von erzgebirgischen Hausierern geführten Waren sind auch Farben aus den obererzgebirgischen Blaufarbenwerken gewesen.
Als Landreisende können wir die Bergfertigen, alten oder kranken Bergleute bezeichnen, welche mit Nachbildungen von Berg- und Pochwerken umherzogen, um sie bei Jahrmärkten auf den Straßen, in Wirtsstuben oder in den Schulen zu zeigen und zu erklären.
Als der Bergbau erlag, wandte man sich vielfach anderer Beschäftigung zu. Zunächst bot der Wald mit seinem billigen Holze dazu Gelegenheit. Aus kleinen Anfängen entstand die Holzwarenindustrie. »Seiffner Waren« nannte man die Schachteln, Nadelbüchsen, Knöpfe, Spindeln und dergleichen. Im Vogtlande nicht nur, auch im Erzgebirge und besonders im Amte Schwarzenberg fanden viele Bewohner durch Pechsieden und Rußbrennen Beschäftigung und Verdienst.
Die Rußbuttenmänner zogen Handel treibend im Lande umher. 1501 erhielt Wilhelm von Tettau durch den Kurfürsten Friedrich den Weisen die Belehnung über die Pechwälder der Herrschaft Schwarzenberg. In der Neuzeit ist das Pechsieden untersagt.
Wie die Rußbuttenmänner, so sind auch die Bernsbacher, Beierfelder, Neuhausener, Oberwiesenthaler und Wolkensteiner Händler mit Feuerschwamm verschwunden. Der aus Buchenschwämmen bereitete Feuerschwamm wurde nicht nur auf Messen und Jahrmärkten, sondern auch im Hausierhandel verkauft.
In Lauter bildet noch gegenwärtig die Korbflechterei einen hervorragenden Erwerbszweig. Nicht nur aus Weidenruten, auch aus Holzspänen und Wurzeln verfertigt man Körbe.
Besonders zahlreich waren die mit allerhand Arzneien, Ölen umherziehenden Händler. Ihre Absatzgebiete waren außer den sächsischen Erblanden die Ober- und Niederlausitz, Thüringen, Bayern, Mecklenburg, Polen, Schwaben, Schweden, selbst die Türkei. Ausgedehnt war besonders der Handel mit Schneeberger Schnupftabak. Der Hauptort seiner Herstellung war Bockau. Aus heilkräftigen Kräutern wurden allerhand Arzneien von den »Laboranten« hergestellt. 1782 waren in Bockau 20 »Laboratorien« im Gange. Noch 1799 beschäftigten sich 41 Personen mit Herstellung von Arzneien oder dem Wurzel- und Kräuterhandel. Der Handel blühte besonders am Anfange unseres Jahrhunderts in Bockau, Eibenstock, Sosa, Jöhstadt, Jugel, Neudorf, Crottendorf, Johanngeorgenstadt, Hundshübel, Lauter, Schneeberg.