c. Wie das jetzige Brunnendenkmal geweiht wird.

Am 8. Juli des Jahres 1822 fand auf dem Fürstenberge zwischen Grünhain und Raschau eine merkwürdige Feier der hier am 8. Juli 1455 erfolgten Rettung des von Kunz von Kaufungen entführten Prinzen Albrecht statt.

An der Feierlichkeit der Weihe des errichteten Denkmals zur Erinnerung an die schöne That des Köhlers Schmidt nahm die ganze Umgegend teil. Die Schwarzenberger Bürgergarde marschierte schon vormittags 10 Uhr auf den Platz. Mehr als 10 000 Menschen drängten sich um die Pyramide herum, erkletterten Bäume, erstiegen die Dächer der erbauten Buden. Die Schützen von Crottendorf stellten sich auf dem Brunnenplatze auf. Diesen folgten 230 Bergleute mit Fahnen und Bergmusik. Um 1 Uhr donnerten Kanonen durch das Waldthal. Schon vorher waren Zwickauer und Schneeberger Offiziere angekommen. Wie am 8. Juli des Jahres 1455 in der Umgegend die Sturmglocken ertönten, um alles zur Rettung der Prinzen aufzubieten, so ertönten jetzt die Glocken der benachbarten Orte zum Dank- und Freudenfeste der Rettung für Erhaltung des Fürstenhauses.

Die Feier begann mit einem Weihelied und schloß mit einem solchen. Die Predigt hielt Superintendent Dr. Lommatzsch aus Annaberg. Die Sachsenhymne schloß die Feier.

Das Denkmal hat die Gestalt einer Pyramide, die auf einem Sockel von in Jaspis übergehenden braunrotem Thoneisenstein steht. Das Denkmal ist aus Granit in 13 Stufen und bei Schwarzenberg gehauen. Das Ganze umschließt an der Hinterseite eine steinerne Mauer, an der sich Ruhebänke befinden und die in der Mitte das Denkmal mit dem in dessen Sockel entspringenden Fürstenbrunnen einfaßt.

d. Das Köhlerhaus am Fürstenbrunnen.

Zur Beaufsichtigung des Denkmals und der dasselbe umgebenden Waldungen errichtete man am Fürstenbrunnen für einen Köhler eine Hütte. Dazu hatte auch König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin beigetragen. Am 27. September 1838 erfolgte die Hebung des Köhlerhauses. Die Bergmusikanten der benachbarten Grube »Gottesgeschick« hatten sich eingefunden. Pastor Richter aus Grünhain hielt die Rede. Schon am 1. November konnte es bezogen werden. Auch erhielt der Ort Schankerlaubnis. Die Vollendung des Baues erfolgte 1839.

e. König Friedrich August II. und seine Gemahlin am Fürstenbrunnen.

Der Fürstenbrunnen erhielt noch vor Vollendung des Köhlerhauses landesherrlichen Besuch. Nachdem König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin am 10. September 1838 in Annaberg übernachtet hatte, kam der König am 11. September über Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, Zwönitz nach Grünhain mit Gefolge geritten, geruhte daselbst den Klostergarten in Augenschein zu nehmen, wo noch das Gefängnis, Fuchsturm genannt, zu sehen war, in dem Kunz von Kaufungen vom Abte Liborius festgehalten wurde, und ritt sodann nach »Gottesgeschick«, um daselbst höchstdero Frau Gemahlin, die von Scheibenberg kam und das Bergwerk besichtigt hatte, abzuholen, um gemeinsam nach dem Fürstenbrunnen zu fahren. Hier hatten sich zum Empfange die Schuljugend und der Frauenverein samt einer großen Menschenmenge versammelt. Die hohen Herrschaften geleitete der Amtshauptmann des Bezirks, Domherr Freiherr von Biedermann auf Niederforchheim. 12 Grünhainer Mädchen streuten Blumen. Die Bergleute brachten am Brunnen ein »Glückauf!« Einer von sieben Köhlern sprach ein Gedicht. Zwei Mädchen reichten dem Könige einen Teller mit Waldbeeren und der Königin einen Becher mit Wasser. In einer geschmückten Bude speisten die hohen Herrschaften. Unter Hochrufen setzte das Herrscherpaar die weitere Reise über Schwarzenberg nach Schneeberg fort.