Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber, dem Ritter Kunz von Kaufungen, durch Gottes Hilfe glücklich entronnen waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt, wie auch des Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und Kappe aufhängen. Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben:
Kunz Kaufung, der viel wilde Mann,
Im Meißnerland ist kommen an,
Wohl auf das Schloß zu Altenborg,
Sehr frech und kühn ohn' alle Sorg',
Dem Fürsten allda seine Kind
Entführt hat listig und geschwind,
Der Kleider noch sie hängen seht,
Ein jeder der fürüber geht,
Die dazumal bald nach der That,
Der Vater hergehänget hat.
Die gegenwärtig in der Pfarre zu Ebersdorf aufbewahrten Kleider der Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.
Nach Dr. Köhlers Sagenbuch.
40. Die Hussitenkämpfe im Erzgebirge unter Friedrich dem Streitbaren.
a. Der Ausbruch des Krieges.
Der Kampf gegen die Hussiten, dessen Last Kaiser Sigismund auf Kurfürst Friedrich hauptsächlich abgewälzt hatte, begann nicht glücklich. 1425 erlitten die Meißner unter großen Verlusten eine Niederlage, sodaß »das Geschrei kam, wie die Hussiten willens wären, ins Meißner Land einzufallen. Darüber erhub sich ein großer Schrecken. Allenthalben wurde man rege, besserte Thore und Mauern aus, baute Schläge und Brustwehren.«
Die zweite große Niederlage des Kurfürsten bei Außig 1426 vermehrte die allgemeinen Besorgnisse. Nach der von Kurfürst Friedrich aufgegebenen Belagerung von Mieß, wo auf dem Rückzuge an zehntausend Mann erschlagen worden sein sollen, drangen 1429 die Hussiten über das Gebirge in das Meißner Land. M. Chr. Lehmann berichtet, die Hussiten seien durch den Komotauer Paß und den Kriegwald nach Zöblitz und durch den Satzunger Paß und den Kriegwald an die Preßnitz gekommen. Sie haben Lößnitz angegriffen; ob aber dieses der hussitischen Tyrannei sich erwehrt, habe er nicht erfahren. Dagegen seien ringsum die Dörfer verwüstet worden. Stadt und Kloster Grünhain, Klösterlein, Aue, Schwarzenberg am Peler Passe sei ganz eingeäschert, seine drei Ellen dicke Stadtmauer abgebrochen, Crottendorf ganz ausgeplündert, Kraxdorf zerstört und als Neudorf wieder aufgebaut, Zwönitz verwüstet, Burgstädtel, Elterlein, Schlettau, Sehma, Cranzahl, die Waldhäuser am Bärensteine, in der Gegend des späteren Annaberg einige Dörfer, von der Schmalzgrube an bis Preßnitz 26 Hammerhütten zerstört, Flecken und Dörfer ringsum verwüstet, alles mit Brand, Zerstörung, Raub und Mord heimgesucht worden. Nur Zschopau und Scharfenstein haben sie nicht viel anhaben können.
Nach Chr. Lehmann.