Nach Donat-Holzhaus.
h. Wie die Kaiserlichen nach der Lützner Niederlage im Gebirge hausen.
Früher ward in der gewölbten Sakristei der Zwickauer Marienkirche ein in Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi verwahrt, welches der Hauptmann Martin Römer im Jahre 1479 der Kapelle geschenkt hatte. An dieses Kreuz heftete sich der Fluch: »Wer ein Stücklein von diesem Holze mit Gewalt nehmen wird, der sei verflucht und das heilige Kreuz bringe ihn um.« Nun hat Herzog von Friedland oder Wallenstein am 1. September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern Graf Maximilian von Wallenstein und Graf Paul von Lichtenstein abholen und dem Kaiser eigenmächtig im Namen der Stadt Zwickau anbieten lassen. Nachdem dies am 14. September geschehen, hat Wallenstein am 6. November die große Schlacht bei Lützen verloren und seit dieser Zeit kein Glück mehr gehabt, also daß er schließlich zu Eger umgekommen ist. Auch die beiden Grafen sind eines unnatürlichen Todes gestorben. So erzählt die Sage. In der Lützner Schlacht hat auch auf Seite der Kaiserlichen Herzog Franz von Sachsen-Lauenburg mit gekämpft. Es ist derselbe, welcher die Kapelle auf dem Kupferhügel in Böhmen gründete. Er weihte sie der Maria. Man hat jeden Freitag zur Zeit der Blüte des dortigen Bergbaues Gottesdienst darin gehalten. Später verfiel sie und ward erst 1821 wieder hergestellt. Der Gründer, Franz von Sachsen-Lauenburg, ist derjenige, welchem der Tod des Schwedenkönigs Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen zugeschrieben wird. Die kaiserliche Besatzung vor Leipzig fiel den Schweden in die Hände, wurde entwaffnet und von schwedischen Reitern auf dem Weiperter Paß nach Böhmen geführt. Kaum war die schwedische Bedeckung fort, so fielen die in die Wälder geflüchteten Bauern am Kühberge über Wagen und Rosse her und hieben die Begleitung der Rosse nieder.
Der Rückzug der Kaiserlichen nach der Schlacht bei Lützen verbreitete von neuem Schrecken, Elend und Not. Die Kaiserlichen trieben alles Vieh, was sie überhaupt noch in den Ställen fanden, mit fort. Als einigermaßen wieder Ruhe wurde, kamen die geflüchteten Landesbewohner aus den Bergschluchten und Wäldern wieder hervor. Kaum elendes Kleienbrot und Salz konnten sie auftreiben, als der Landmann wieder zum Pfluge griff. – Sogar Bernhard von Weimar ließ Wolkenstein, Lauterstein, Augustusburg, sowie die Bergstädte brandschatzen. Am 16. Dezember rückte er vor Zwickau, beschoß die sich lebhaft verteidigende, von Kaiserlichen besetzte Stadt und legte mit dem Feuer von acht halben Kanonen die Stadtmauer am Rößleinturme nieder, sodaß die Kaiserlichen mit fliegenden Fahnen, Kugeln im Munde, brennender Lunte und viel Vorratswagen abzogen.
Im nächsten Jahre 1633 kam Holck wieder ins Gebirge. 16 000 Kaiserliche zogen über den Weiperter Paß nach Böhmen. Zwei Jahre lang blieb derselbe besetzt. Alles wurde zu nichte gemacht. In Schneeberg raubt er den Altar, heilige Geräte, Meßgewänder, vernichtete die Bilder von Luther und Melanchthon. Aue wurde niedergebrannt, Lößnitz geplündert und ausgeraubt. Dazumal ist auch das Getreide im Felde an vielen Orten niedergetreten worden. Wochenlang brachten die Bewohner der Orte in den Wäldern zu.
Später befreite der sächsische Oberst von Taube das Land von den Kaiserlichen. Aber die eigene verwilderte Soldatenhorde hauste nicht minder schrecklich. Es waren sächsische Dragoner, welche die Thore von Marienberg stürmten und die Stadt, wie später auch Annaberg, plünderten.
Nach Dr. Köhler, M. v. Süßmilch u. a.
i. Wie die Bauern die Kaiserlichen vertreiben.
Als im Jahre 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von Preßnitz und Reitzenhain besetzt hielten, thaten sich die Bauern zusammen, vertrieben die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der Bauern war der Amtsschösser von Grünhain, Friedrich Türck. Als nun von allen Seiten Klagen über die Bauern beim General Gallas, welcher um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Boten an Türck mit Warnungen und Drohungen und verlangte Kriegskosten. Friedrich Türck wollte davon nichts wissen und ließ den Kaiserlichen entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei und alle katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe geben. Dies konnte nicht ungestraft bleiben. Gallas entsandte 2000 Pferde mit 20 Standarten unter dem Obersten Kehreuß gegen die Bauern ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch Kühnhaide. Von Friedrich Türck wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen begeistert und abgerichtet, daß sie frisch vorm Feinde standen, keine Gefahr scheuten und sich trefflich wehrten, sonderlich, wenn er dabei war und ihnen zusprach«. – Es drängt sich die Vermutung auf, daß die »Türckenheide« bei Kühnhaide ihren Namen von jenem Bauernführer erhalten hat.
Auch in andern Gegenden wehrten sich die Bauern erfolgreich. Das berichtet die Erzählung von den sechs Brüdern bei Geyer. Als nämlich in demselben Jahre, 1632, kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein die ganze Umgegend durchstreiften und plünderten, war es einem Trupp herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen, in der Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern heftiger Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie sämtlich totzuschlagen. Die von Zwönitz wollten nichts davon wissen und brachten es dahin, daß man beschloß, sie zum Heere zu bringen. Sie zogen fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen, erhob sich der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt drohten, so wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren die Zwönitzer im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf Österreicher auf die grausamste Weise, den sechsten aber warfen sie in ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage jammern hörten. Zum Gedächtnisse dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt »Sechs Brüder«, ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.