m. Die Sachsen in Marienberg.

Auch der Anfang des Jahres 1635 war für die Stadt noch trübe genug, und zwar kam diesmal die Bedrängnis nicht von feindlicher Seite, sondern von sächsischen Truppen her. Am 2. Januar ritt der sächsische Oberstleutnant Unger mit 300 Dragonern vor die Stadt, wo die Thore Tag und Nacht verschlossen gehalten wurden. Er begehrte Einlaß. Man fürchtete sich aber vor den Sachsen ebenso, wie vor den Kaiserlichen, und der Rat zögerte, ob er öffnen lassen sollte oder nicht. Da verbreitete sich plötzlich allgemeiner Schrecken; denn krachend ertönten die Schläge der Hämmer und Äxte, womit das Freiberger Thor aufgehauen wurde. Gleich einem feindlichen Heere strömten die Krieger herein. Von den zwei Mann, welche der Rat von der kaiserlichen Besatzung in Reitzenhain als Schutzwache erhalten hatte, war nichts zu sehen. Man suchte nach ihnen, und der eine hatte sich in einen Gasthof geflüchtet, während der andere glücklich nach Reitzenhain entkommen war. Derjenige, welcher sich versteckt hatte, wurde von einem Dragoner bemerkt, herunter geholt und auf den Markt vor den Oberstleutnant gebracht; die Ratsherren baten für ihn, aber vergebens. »Hund, knie nieder!« war die Antwort auf die inständigen Bitten, und der Arme wurde sofort erschossen. Die Soldaten quartierten sich selbst ein, und ist es nach den Worten des Geschichtsschreibers »zuletzt übel hergegangen, indem sie geplündert; alle Pferde, so auch sind bei den feindlichen Einfällen erhalten worden, haben sie mitgenommen, so haben die Bürger damals ihren Schaden über 1700 Thlr angegeben, welches nichts Geringes gewesen und die Stadt für die erschossene Schutzwache auf große Bitte noch 28 Thlr bezahlen müssen, ohne, was sonsten an Verheerung und anderem aufgegangen ist.«

Nach Donat-Holzhaus.

n. Wie die Schweden ins Gebirge kommen.

1. Der Beginn der Schwedengreuel.

Kurfürst Johann Georg I. hatte am 30. Mai 1635 den Prager Frieden geschlossen. Aber dieser Friede hatte die größten Drangsale für Kursachsen im Gefolge. Verödung, Hungersnot und Pest waren schon da. Nun brachte die gesteigerte Verwilderung und vor allem die Rachsucht gegen die verlassenen Bundesgenossen die fürchterlichsten Greuel. Hatten vorher nur die Kaiserlichen im Lande gehaust, so wurden von nun an auch die Schweden zu Feinden und übertrumpften die Kaiserlichen an Ingrimm und Wut.

Raub und Erpressungen bezeichneten ihren Weg. Städte und Dörfer wurden verheert und niedergebrannt, Wohnungen und Eigentum zerstört. Keine Kirche und Schule, kein Hospital, keine milde Stiftung wird verschont, und die Bewohner werden aufs grausamste gequält, gemartert und getötet. Die Verstorbenen in den Gräbern haben keine Ruhe vor ihnen. Die Kruzifixe an den Wegen werden mutwillig zerhauen und verstümmelt. Das Land war bis aufs Mark ausgesaugt. Baner marschierte nach den Bergstädten. Vor Annaberg nahmen die Schweden allenthalben die besten Pferde weg, ließen sich mit Kleidung, Schuhen, Stiefeln, Sätteln, Hufeisen, Nägeln versehen.

Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe. Auf dieser befindet sich eine einfache, hölzerne Säule, welche der Eigentümer der Anhöhe zu erhalten hat. Man hält sie für einen ehemaligen Galgen, an dem eine Abteilung Schweden, welche da ihrem Feinde gegenübergestanden hat, einen gefangenen Spion aufgehängt haben soll.

2. Die Schweden werden aus Marienberg vertrieben.