Von Marienberg ging am 1. September die Reise zu Pferde über Ehrenfriedersdorf, Geyer, Zwönitz, Lößnitz, Schlema nach Schneeberg und von da an demselben Tage wieder zurück nach Marienberg. Am 2. September war der hohe Herr in Annaberg. Dort wäre er beinahe verunglückt, weil das Pferd vor den Schüssen scheute, die man am Pöhlberge ertönen ließ, als er die Pöhlbergstraße aufwärts ritt.
Nach Lungwitz.
Fünfter Abschnitt.
Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges.
49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei.
a. Die Entstehung des Gewerbes.
Der Name Köhler gehört so recht dem Erzgebirge an, wo das Kohlenbrennen seit Jahrhunderten für zahlreiche Bewohner einen Erwerbszweig bildete, der noch in der Gegenwart, freilich bedeutend sparsamer, in den oberen Waldbezirken, bei Zöblitz, Hirschenstand, Carlsfeld und Morgenröte, bei Göttersdorf in Böhmen und anderwärts angetroffen wird.
In der Geschichte und in den Sagen treten wiederholt Köhler auf. Der Köhler Georg Schmidt befreite am Fürstenberge bei Schwarzenberg den Prinzen Albert aus den Händen des Kunz von Kaufungen; ein Köhler soll im Jahre 1458 im Walde beim Abräumen seines Meilers ausgeschmolzenes Zinn gefunden haben, was Veranlassung zur Gründung der Bergstadt Altenberg gab. Köhler haben sich nach der Sage zur Zeit der Hussitenkriege im Walde, da wo jetzt Crandorf liegt, ihren Kohlenkram, d. h. Hütten aufgebaut, weshalb man den daselbst entstandenen Ort zuerst Kram- und später Crandorf genannt habe.
Als im Gebirge an zahlreichen Orten Eisenhütten entstanden, brannte man auch überall in deren Nähe das Holz zu Kohlen, da diese zum Ausschmelzen der Erze nötig waren. In der 1697 erneuerten kurfürstlichen Holzordnung von 1560 wurde aber bestimmt, daß die Köhler das Holz nicht mehr selbst schlagen lassen durften und das Kohlenbrennen nur noch vom 25. März bis 16. Oktober zu gestatten sei.