Anfang des 19. Jahrhunderts zählte man auf dem Erzgebirge etwa 700 Gruben mit gegen 12 000 Bergleuten, während 50 000 Menschen vom Bergbau lebten.

Der Erzgebirgische Bergstaat bestand 1815 aus dem Oberbergamt und dem Oberhüttenamt zu Freiberg.

Unter dem Oberbergamt standen die beiden Oberzehntner- und Austeilerämter in Freiberg und im Obergebirge, die Bergakademie und die Bergämter Altenberg mit Berggießhübel und Glashütte, Annaberg, Freiberg, Geyer mit Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock, Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal und Hohenstein, Neugeysing, Bärenstein, Seiffen.

Unter dem Oberhüttenamte standen alle Schmelzhütten und das Halsbrücker Amalgamirwerk. Dagegen waren die Saigerhütte Grünthal, das doppelte Blaufarbenwerk in Oberschlema, die Blaufarben-Kommunfaktorei in Schneeberg, das Pfannenstieler, Zschopauthaler und Schindlersche Blaufarbenwerk unmittelbar unter dem Geheimen Finanz-Kollegium.

Unter der Verwaltung des Oberberghauptmanns Freiherr von Herder, 1821 Berghauptmann, 1826 Oberberghauptmann, entwickelte sich auf Grund der alten Verfassung und eines edlen Standesgeistes ein außerordentlich reges bergmännisches Leben. Neue Maschinen wurden in Anwendung gebracht, das Schmelzwesen bedeutend verbessert, besonders seit der Einführung der Koaks im Hüttenwesen 1820, und das Ausbringen bedeutend erhöht, wenn es auch noch nicht den Umfang der neuesten Zeit erreichte.

Im Freiberger Revier baute man auf Silber und Blei, im Altenberger auf Zinn und Eisen, im Glashütter auf Silber und Vitriol, schwefelsaure Metallsalze, im Marienberger auf Silber, etwas Arsenik und Zinn, in Geyer und Ehrenfriedersdorf auf Zinn, Vitriol und Arsenik, in Annaberg auf Silber und Kobalt, im Scheibenberger Revier, welches jedoch in dieser Zeit schon einging, auf Silber, Kobalt, Eisen, Arsenik, im Johanngeorgenstädter auf Silber, Eisen, Zinn, Vitriol, Schwefel, und im Schneeberger auf Silber, Kobalt, Wismut, Eisen, Vitriol, Schwefel und Arsenik.

Nach Süßmilch.

52. Die erzgebirgische Eisenindustrie.

a. Die Eisenhämmer.

Die Hammerschmiede gehörten in früherer Zeit zu den Besonderheiten des Erzgebirges. Heute noch ist der Beiname »Hammer« bei manchem Orte gang und gäbe. Die »Hämmer« schmiedeten das Eisen nicht nur, wenn es heiß, sondern auch, wo es zu Hause war; sie waren bodenwüchsig, diese Eisenhämmer. St. Johann am Rotenberge bei Schwarzenberg, Irrgang an der böhmischen Grenze, Rehhübel und Henneberger Zug bei Johanngeorgenstadt, Vier Gesellen und Altermann beim Auersberge, Urbanus, Spitzleite bei Eibenstock, Schwalbener Zug und Roter Kamm bei Schneeberg, das sind die mächtigsten Eisenerzgangzüge, auf denen die Gewinnung jahrhundertelang bergmännisch betrieben wurde. Vielfach sind diese Gänge zu Tage ausgegangen: Frühzeitig hat man schon das Erz verwertet. Es ist wahrscheinlich, daß der Aufschwung der Eisenhüttenwerke im 16. und 17. Jahrhundert zu suchen ist. Im 16. Jahrhundert entstanden Muldenhammer, Unter- und Oberblauenthal, Wildenthal, Breitenbach, die Hämmer von Pöhla und Raschau. Im 17. Jahrhundert sind gegründet Carlsfeld und Wittigsthal. Vom Jahre 1660 stammt ferner die »Hammerordnung« Kurfürst Johann Georgs II. für die Blechhämmer in den Ämtern Schwarzenberg, Wolkenstein und Lauterstein. 1775 sind im Bezirke des Kreisamtes Schwarzenberg allein 18 Eisenhämmer, ohne die Waffen- und Drahthämmer, im Gange gewesen. Heutzutage sind von den alten Eisenhämmern noch Pöhla, Obermittweida, Erlahammer, Morgenröte, Rautenkranz, Schönheiderhammer als Eisengießereien vorhanden. Der Hohofenbetrieb hat ganz und gar aufgehört.