Es muß in der Zeit der Blüte dieser Eisenhämmer ein gar reges Leben in den Gebirgsthälern gewesen sein. Da dampften die Hohöfen, die Gebläse pfauchten, und hell erklang der Schall der mit der Hand geschwungenen Hämmer zwischen den vereinzelteren dumpfen Schlägen des großen Hammers, den Wasserkraft in Hub setzte. In den niederen schwarzen Hütten rührten sie sich emsig, die rußigen Gestalten der Hammerschmiede, die um die Frischfeuer, die Ambosse und Gießstätten herum thätig waren. Sie bildeten eine echte und gerechte Zunft. Manche der ersten von ihnen im wilden Waldgebirge werden stellenweise ihr bißchen Eisenstein selbst erst gegraben haben, um es dann zu verschmelzen. Meist hatten sie jedoch nur sogenannte »Zerrennfeuer« und »Blauöfen«. Erstere sind Gebläseöfen gewesen, in denen nur Eisen geschmolzen werden konnte, auch in letzteren konnte nur Harteisen geschmolzen werden, doch sind die Blauöfen gewissermaßen als Vorstufe der Hohöfen anzusehen. Ende des 16. Jahrhunderts scheinen die ersten Hohöfen gebaut worden zu sein. Hammerschmiede hießen die Gesellen dieser Hammermeister. Mitte des 18. Jahrhunderts stellte man schon eiserne Kessel, Öfen, Ofentöpfe und dergleichen Gußwerke her. Im 17. Jahrhundert, im Jahre 1683, hat man zu Carlsfeld ein Eisenschmiedewerk angerichtet. Auch ein Pfannenschmiedewerk erstand. Die Hauptsache war aber die Herstellung der Bleche. An die Blechhämmer schlossen sich die zahlreichen Löffelschmiedereien an. Von diesem Gewerbe hat sich noch ein bedeutender Rest erhalten.
Nach Dr. Jacobi.
b. In einer obererzgebirgischen Eisenhütte vor 50 Jahren.
Jedes Hammerwerk hat wenigstens einen Leiter, welcher ein technisch gebildeter Mann sein muß, und einen Schichtmeister, dem das Rechnungswesen anvertraut ist, während ersterem die technische Leitung des Werkes obliegt. Zu dem Hohofen, in welchem der Eisenstein geschmolzen wird, gehören 1 Steinpocher, 2 Aufgeber, 2 Hohöfner und 1 Schlacken- oder Wascheisenpocher. Ehe der Hohofen angeht, wird durch den Leiter der untere Teil des Hohofens eingebaut, was man Zustellen nennt; früher besorgte dies der Hohofenmeister. Bei einem Stabhammer oder Frischfeuer, in welchem das rohe, durch den Hohofen gewonnene Eisen ausgeschmiedet wird, arbeiten der Meister oder Frischer, der Vorschmied, der Einschmelzer und ein Junge; zuweilen bei französischen Feuern noch ein Fröner, welcher Vorschmiedsstelle dann mit versehen muß. Die Arbeit der Hammerschmiede ist und bleibt wohl eine der schwersten und schweißvollsten. Der Aufgeber muß in die Mündung des Hohofens, wo die Flamme hoch in die Höhe schlägt, Kohlen und Eisenstein schütten. Der Arbeiter in dem Frischfeuer steht neben dem Feuer, wo das Roheisen gefrischt und geschmolzen wird, und muß das glühende Eisen, mehrere Zentner schwer, herausnehmen, auf dem Amboß teilen und die Teile ausschmieden. Während des Schmelzprozesses verdient ein Hohöfner wöchentlich 3 Thaler, ein Aufgeber und Steinpocher 2 Thaler. Der Meister erhält rohes Eisen und Kohlen und muß dafür eine bestimmte Anzahl Stabeisen liefern. Hat er Überschuß, so ist der Gewinn sein, allein er darf den Überschuß nur an den Hammerherrn verkaufen. Liefert der Frischer nicht so viel Eisen, als er sich verbindlich gemacht hat zu liefern, so muß er das Fehlende bezahlen. Seinen Arbeitslohn erhält er nach dem Gewichte des ausgebrachten Stabeisens. In dem Zainhammer wird das Arbeitslohn nach der Wage bezahlt, d. h. je mehr Wagen Eisen die Arbeiter auszainen, desto mehr erhalten sie. Sie können ebensoviel verdienen, als die Arbeiter beim Frischfeuer oder Stabhammer. Da die Hammerschmiede während ihrer Arbeit einer großen Hitze ausgesetzt sind, so ist ihre Kleidung sehr einfach. Sie gehen meist nur im blauen Hemde und in leichten Hosen, welche ein langes Schurzfell festhält; früher gingen sie meist nur im bloßen Hemde, weil der glühende Sinter, der während der Arbeit herumspringt und mithin dem Arbeiter sehr oft auf den Leib gerät, leichter auf die Erde fällt, wenn er das Schurzfell lüftet. Das Rohschmelzen im Hohofen, das Toben der Hämmer, das Heulen und Pfeifen der Gebläse und dabei das pausenweise Aufschlagen der Gichtflamme, welches zur Nachtzeit dem Wetterleuchten ähnlich ist, die von Kohlenstaub geschwärzten Arbeiter mit starken, ausdrucksvollen Gesichtszügen, Zähnen wie Elfenbein, das Innere der Hände mit hufartiger Rinde, an welche sich die krummen, wenig gelenkigen Finger anschließen, kann uns das Gemälde des Dichters versinnlichen, wenn er von der Werkstätte des Vulkans und seiner Cyclopen schreibt. Ein königlicher Hammer-Inspektor führt die Aufsicht über sämtliche sächsischen Hammerwerke, geht den Werksbesitzern mit Rat an die Hand, nimmt etwaige Beschwerden entgegen und sieht die Betriebstabellen ein.
Das Eisen, welches sich in 12stündiger Schicht im Hohofen angesammelt hat, fließt einem Feuerstrom gleich in einen trogartigen Sandgraben, welches Ablaufen, »Abstechen« heißt. Diese Masse erstarrt sehr bald und heißt eine »Ganz«, weil es eine ganze rohe Eisenmasse ist. Eine solche Ganz wiegt 3 bis 4 Zentner. Diese Gänze, sowie überhaupt das Roheisen, werden, wie erwähnt, verfrischt. Das Walzen der Stäbe geschieht, um aus den gefrischten, höchstens nur unter dem »Stirnhammer« etwas vorgeschmiedeten Eisenmassen die Stäbe herzustellen, oder um die schon unter dem »Aufwerfhammer« weiter ausgestreckten Kolben oder dicken Stöcke zu verfeinern. Im ersten Falle wendet man erst Präparierwalzen und nachher das eigentliche Stabwalzwerk an, im zweiten Falle gebraucht man letzteres allein. Die dünnsten Stäbe werden oft durch eine das Auswalzen an Schnelligkeit noch übertreffende Verfahrungsart dargestellt, indem man 3 bis 5 Zoll breite und 30 bis 40 Fuß lange gewalzte Schienen nach ihrer ganzen Länge in Streifen zerschneidet. Hierzu bedient man sich des Eisenspaltwerkes, der Schneidewalzen.
Nach Elfried v. Taura.
c. Die Blechlöffelfabrikation.
Man darf nicht glauben, als würde der Löffel mit einem Male vollendet; es gehen da eine Masse Arbeiten voraus, ehe er als solcher verkauft werden kann. Zunächst bezieht die Fabrik das Eisen für alle Gattungen von Löffeln von den Hammerwerken, wo es unter dem Namen Löffeleisen in Stäbe geschmiedet und nach der Wage verkauft wird. Der Fabrikant liefert dasselbe nach dem Gewichte an die Plattenschmiede, welche zerstreut in nahen und entfernt liegenden Ortschaften wohnen; diese verfertigen daraus die Platten, d. h. die ebenen, plattausgehenden Eisenstücke, die noch keine Vertiefung haben. Zwei solche Plattenschmiede können täglich gegen 24 und aus einer Wage etwa 36 Dutzend Platten schmieden, die sie an den Fabrikanten wieder nach dem Gewichte abliefern. Nun kommen die Platten wieder in die Hände der zerstreut wohnenden Löffelmacher, welche sie austeufen, wozu sie einen Amboß, worauf die stählernen Modelle oder Formen befestigt und nach verschiedenen Größen und Gestalten eingelassen sind, und verschiedene Teufhämmer haben. Dann bringt man sie wieder zur Ablieferung. Täglich kann ein Löffelmacher 25 Dutzend abteufen. Endlich werden die Löffel ins Zinnhaus abgegeben, da verzinnt, dann mit Kleie gescheuert, sortiert und so vollendet aufs Lager und in den Handel gebracht.
Nach Elfried v. Taura.