Der lange Smailus grunzt etwas vom „Kipszas“, dem Satan, und seine Tochter, die Ulele, beugt sich zu Erdme hinüber und sagt leise: „Es müßte doch sonderbar zugehen, wenn er dich nicht gebeten hätte, heute zur Talka zu kommen, denn die Zugezogenen wissen ja nichts von ihm.“

Da erzählt Erdme ebenso leise, was ihr gestern mit ihm begegnet ist.

„So versucht er es immer aufs neue,“ sagt Taruttis, „denn der Arme kann es nicht verschmerzen, daß man sich nichts mit ihm zu schaffen macht.“

Jons fragt: „Warum tut man es nicht?“ Und Erdme meint, abscheulich genug sehe er ja aus, aber das könne unmöglich allein die Schuld daran tragen.

Und da erfahren sie beide seine furchtbare Geschichte. Sie ist weit furchtbarer, als Menschen sich ausdenken können.

Als ein überführter und geständiger Raubmörder hat er fast sein ganzes Leben im Zuchthaus zugebracht. Zuerst hat er einen zu Tode geschleift, mit dem er zusammen nächtlicherweile auf einem Wagen gefahren war, und zwar, indem er heimlich einen Lederriemen mit dem einen Ende um die Radfelge, mit dem anderen um dessen Arm geschlungen hatte. Dann, als er nach mehr als zwanzig Jahren freigekommen ist, hat er dasselbe Kunststück noch einmal probiert — an einem Fuhrmann, den er auf stillstehendem Wagen betrunken im Walde vorgefunden hatte. Aber diesmal ist es ihm mißglückt, denn dabei war ihm die eigene Hand ins Rad hineingeraten. Darum hat er auch den Dusel gehabt, trotz der Wiederholung solch einer Untat noch einmal herauszukommen. Und nun haust er wie ein Dachs in seiner Kate, die er sich als junger Mensch gebaut und in der Zeit nach den Strafen mit allerhand geheimnisvollen Vorrichtungen gegen die Überschwemmung versehen hat. Worin sie bestehen, weiß keiner, denn niemals geht einer zu ihm hinein; von außen aber liegt an der Wand eine schräg dagegen geschaufelte Mistschicht, die bis zum Fenster hinauf alles verbirgt.

Die Erdme fürchtet sich nicht so leicht, und doch läuft es ihr einmal nach dem anderen kalt über den Leib. Und während der alte Raubmörder in seiner Sehnsucht nach Menschen dort auf dem Wege herumtanzt, erzählt sie so leise wie die anderen, mit was für fürchterlichen Worten er ihr die künftige Wassersnot ausgemalt hat.

Jons horcht hoch auf und tut dann dieselbe Frage, die ihr seit gestern wie ein Mühlrad im Kopfe herumgeht: „Wenn die wirklich einmal kommen wird, warum bauen wir uns erst hier an?“

Da nimmt der Witkuhn, der doch von weit her ist, das Wort und sagt beinahe feierlich: „Wir bauen uns hier an, weil wir arme Leute sind und eine Zuflucht nötig haben. Wo anders gibt man uns keine, sondern hetzt uns herum.“

Und dann erzählt er, wie schon zweimal das Hochwasser unermeßlichen Schaden verursacht hat und daß es für die Zukunft immer häufiger zu befürchten ist; denn das sei eben das Schlimme: durch die Urbarmachung sterbe das Torfmoos ab, und dann senke sich das Erdreich von Jahr zu Jahr. So werde der Segen der Arbeit selber zu einer Gefahr, die mit Vernichtung bedrohe, was im Schweiße seines Angesichts ein jeder sich geschaffen hat. „Aber darum arbeiten wir doch ruhig weiter,“ sagt er zum Schluß und zieht den Rock enger, wie einer, der sich endlich geborgen fühlt, „denn wir lieben dieses Stückchen Erde, das für die anderen zu schlecht ist und wo uns darum keiner verfolgt. Und wir lieben auch die, die das gleiche mit uns tun und erdulden.“