Eines Sonntags sagt sie zur Erdme: „Gott sei Dank, jetzt wird sie’s leichter haben, denn es ist zugesät bei ihr.“

Mit dem Leichterhaben irrt sie sich freilich. Oft muß die Erdme heran, der traurigen Frau den Kopf zu halten, wenn sie sich weinend erbricht und immer nach Hause will.

Und auch bei der Erdme ist es wieder so weit. Da heißt es, sich dreifach zusammennehmen und sich nichts merken lassen, sonst geht die Wirtschaft den Krebsgang.

Der Jons hat neben der Taglöhnerarbeit jetzt auch für die Wiese zu sorgen. Die Karre nimmt er des Morgens meist mit und schiebt sie des Abends mit Grünfutter beladen nach Hause. Dazu kommt noch die Heuaust, das Mähen, das Wenden, das Inhaufenbringen und Wiederausstreuen, wenn der Regen alles durchweicht hat.

Man kann es wohl verstehen, daß er maulfaul wird und kaum Antwort gibt, wenn man ihn fragt. Wäre die kleine Katrike nicht da, gäb’s wenig Unterhaltung im Hause. Aber die lacht schon, macht Brummchen und zappelt, solange man Zeit hat zum Spielen.

Die Kartoffeln bringen in diesem Jahr funfzig Scheffel. Davon darf man sogar verkaufen. Milchgeld, Taglohn, Ertrag des Schweines kommen dazu. Man kann fürs nächste Jahr an eine weitere Pachtung denken.

Der zweite Winter vergeht wie der erste. Nur daß die Erdme ein Spielzeug hat und daß die Ulele den Kopf nicht mehr zur Tür hereinsteckt.

Im April kommt die kleine Urte zugereist. Ganz leicht und plötzlich ist sie gekommen. Der Doktor hat gar nicht geholt werden brauchen.

Nun sind es schon zweie, und darum wird Schluß gemacht. Das Nötige hat die Erdme als Mädchen gelernt.

Die Jahreszeit ist für die Entbindung günstig gewesen. Noch bleibt Zeit genug für die Frühjahrsbestellung. Am neunten Tage nach der Geburt hat die Erdme schon wieder bis an die Knie im eiskalten Schlamm gestanden. So ein Kerl ist die Erdme.