Nicht so leicht hat es die junge Frau Smailus gehabt, aber daran ist ihr Herzweh wohl schuld. Was wäre erst ohne die Ulele geworden! Mit einem Male ist sie dagewesen, hat Hebammendienste getan, hat das Kind gewartet so gut wie die Mutter und hat dabei noch in den Büchern gelesen.
Eines Tages kommt sie zur Erdme und sagt: „Nun wird es wohl gehen, daß ich weg kann. Wenn ihr das Kleine nicht hilft, hilft ihr nichts auf der Welt.“
Die Erdme fragt sie, wo sie eigentlich hin will.
Und sie sagt: „Zuerst nach Königsberg und dann nach Berlin. Denn diese kleinen Nester sind nichts für mich. Nicht einmal, was ein kleidsamer Hut ist, versteht man da. Auch muß ich des Abends die Schreibmaschine erlernen sowie die Schnellschrift, die man Stenographie nennt. Dann muß ich noch einmal aufs Land, das heißt auf ein Rittergut, um die Wirtschaft zu lernen und die Verwaltung. Wenn ich das ordentlich verstehe, gehe ich in ein großes Getreidegeschäft und mach’ mich dort unentbehrlich. Vielleicht, daß der Prinzipal mich dann heiratet, weil er einsieht, daß ohne mich doch nichts mehr los ist. Aber im Grunde glaub’ ich es nicht. Denn die Männer sehen mich nicht an.“
„Du bist ja noch so jung,“ sagt die Erdme.
„Das ist wahr,“ sagt sie, „Busen hab’ ich noch gar nicht. Vielleicht werd’ ich auch nie einen kriegen. Ich hab’ immer gedacht, ich werd’ durch das Mannsvolk in die Höhe kommen, aber das muß ich mir wohl aus dem Kopf schlagen. Und es wird ja auch so gehen.“
Und die Erdme lacht und sagt: „Du mit deinen fünfzehn — was kannst du da Großes verlangen?“
„Um mich herum liebt sich schon alles,“ gibt sie zur Antwort, „bloß mich wollen sie nicht.“
Und Erdme, die erst sehr neidisch gewesen ist, sieht auf die Wiege, in der Kopf an Kopf die Urte und die Katrike liegen, beide mit Lutschpfropfen im Munde, und denkt: „Euch wird es nicht so gehen, denn ihr habt von meinem Blut in den Adern.“
Und es ist, als ob die Ulele ihren Gedanken erriete, denn sie sagt seufzend: „Ja, wenn man so eine wäre wie du!“