„Was willst du damit sagen?“ fragt die Erdme argwöhnisch. „Weißt du etwas von mir?“

„Das gerade nicht,“ sagt sie, „aber — aber —“ Und sie druckst und druckst und kommt nicht zu Rande. Schließlich, wie sie gehen will, dreht sie sich noch einmal um und sagt: „Eine Bestellung ist es eigentlich nicht, das würde sie sich nicht getrauen. Aber wünschen tut sie gewiß, daß du es erfährst.“

„Wer? Was?“ fragt die Erdme ganz erstaunt.

Also: die Frau Witkuhn hat zu ihr gesprochen wie zu einer Alten. Das Elend mit ihrem Manne reißt ihr das Herz aus dem Leibe. Wenn er nicht da ist, sitzt sie in Angst, er könne sich ein Leid antun. Und ob es keine Möglichkeit gebe, daß die Erdme sich seiner erbarme.

Die Erdme erschrickt. Wenn die eigene Frau sich wirklich so an der Natur und der Religion versündigt, dann muß es wohl schlimm stehen.

„Warum hängt er sich gerade an mich?“ fragt sie. „Mädchen, die ihm gern einen Gefallen täten, laufen genug herum auf dem Moor.“

Die Ulele macht eine pfiffige Nase. „Das ist es gerade,“ sagt sie. „Ursprünglich wäre ihm wohl jede die Rechte gewesen, aber wenn eine ihm nah kommt, schrickt er zurück. Früher, als ich noch dümmer war und nicht wußte, warum, da hab’ ich mich ihm manchmal auf den Schoß setzen wollen, aber da hat er mich von sich gewiesen wie das höllische Feuer. Nun aber hat er seine Sinne auf dich allein gesetzt. Ich verstehe ja nicht viel davon, aber ich meine, wenn der Jons nichts erfährt, könntest du ihm wohl einmal Mitleid erweisen. Wollte er mich, ich tät’s, aber ich bin ihm wohl noch zu klein.“

Die Erdme fühlt, daß sie heiß wird von Kopf bis zu Füßen. „Du verstehst wirklich noch nichts davon,“ sagt sie und schiebt die Ulele hinaus und nimmt auch keinen Abschied von ihr.

Aber der Gedanke an den Nachbar geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sitzt der Jons ihr gegenüber, stumm und schwer, wie es seine Gewohnheit ist, dann sieht sie ihn immerzu an und denkt: „Soll ich — soll ich nicht?“ Und ihr Entschluß ist dann stets: „Nein, ich soll nicht.“

Aber wenn sie den Nachbar arbeiten sieht fernab auf dem Feld und sich sein feines, stilles Gesicht vorstellt und die zitternden Backenknochen, dann denkt sie doch wieder: „Ich soll.“