Und ihr Mitleid wird so groß, daß sie nachts von ihm träumt und bei Tage auf dem Grabenrand sitzt und ihm nachsieht. Dabei leidet natürlich die Arbeit.

Schließlich denkt sie: „Komm’s, wie es will, geschehen muß was.“

Darum faßt sie sich eines Tages ein Herz und geht zu ihm ’rüber.

Als er sie kommen sieht, fällt ihm die Hacke aus der Hand. Er steht da und sieht sie an wie eine Himmelserscheinung, und dabei hat er sie doch immer vor Augen.

„Nachbar,“ sagt sie, als hätte sie noch gestern mit ihm gesprochen, „willst du nicht einmal nach unserer Kuh sehen? Die frißt nicht.“

Er zieht die Klotzkorken über die nackten Füße und kommt. Er befühlt der Kuh den Leib, legt ihr die Hand auf die Schnauze und dreht die Augenhaut um. „Die Kuh ist gesund,“ sagt er. Weiter nichts.

Die Erdme schämt sich und fühlt, wie sie zittert. Aber sie weiß, so ein Augenblick kommt nicht wieder. Darum ladet sie ihn ein, noch ein wenig in die Stube zu treten.

„Was soll ich da drin?“ fragt er.

„Ich hab’ schon lange einmal mit dir reden wollen,“ sagt sie.

Er streift die Klotzkorken ab und tritt ein. Die Wiege hat sie vorher auf den Hof gestellt, damit die Kinder nicht zusehen.