„Und wird Er dich heiraten?“ fragt die Erdme begierig, denn sie hat jedes Wort im Gedächtnis behalten.
Die Ulele macht den Zeigefinger naß und streicht sich über die Augenbrauen. Das tut sie oft, wenn sie nachdenkt.
„Das geht nicht so leicht, wie man sich’s vorgestellt hat,“ sagt sie und lächelt. „Denn meistens ist schon eine Frau da, und wenn die einen gar noch ins Haus zieht und auch sonst gut ist, dann begnügt man sich gerne damit, daß Er manchmal abends zu einem kommt und bis Mitternacht bleibt. Dann muß man Ihn heimschicken, damit die Frau nicht Verdacht schöpft.“
„Aber Er gibt dir doch, was du willst?“ fragt die Erdme mit blitzenden Augen.
„Was ich will, gibt Er mir schon,“ sagt die Ulele. „Aber viel darf es nicht sein, damit die anderen nicht denken, daß man sich ’rumtreibt.“
Das begreift die Erdme nicht recht. Sie würde gegrapscht haben ohne Unterlaß, ohne Bedenken. So was versteht sich von selber.
„Und dann ist auch noch der Oberbuchhalter da,“ fährt die Ulele fort, „der mich durchaus heiraten will. Der darf natürlich nichts ahnen und niemand. Darum muß man immer hübsch einfach sein. Nun ist die Frage: soll ich darauf hinarbeiten, daß Er ihn als Teilhaber annimmt, oder mach’ ich mit diesem ein Seifengeschäft auf? Das erstere wäre mir lieber, denn dann bliebe ich in der Fabrik. Aber gleich von Anfang an zwei Männer — das ist mir zuviel. Und schließlich kommt’s einmal ’raus, und die ganze Blase platzt auseinander. Ich werd’s aber trotzdem wohl tun, denn ich lieb’ die Fabrik wie mein Kind.“
„So hast du also doch durch das Mannsvolk dein Glück gemacht,“ sagt die Erdme mit Stolz.
Die Ulele schüttelt den Kopf. „Dann sieht die Geschichte ganz anders aus,“ sagt sie. „Stöckrig bin ich geblieben, und Busen hab’ ich richtig auch heute noch nicht. Und wenn Er bei mir ist, reden wir vom Geschäft viel mehr als von Liebe. Durch Tätigkeit hab ich’s gemacht und durch Nachdenken, — aber natürlich: das Mannsvolk muß mithelfen, sonst bleibt man im Mustopf.“
Zum Abschied küßt sie die Erdme und küßt auch die Kinder. Und jedem schenkt sie ein Stückchen Seife, die riecht noch schöner als die beim Begräbnis.