Und beide fühlen in Seligkeit, daß ihr Erntetag nah ist.
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So! Nun mach’ ich einen langen Atemzug — der dauert volle zehn Jahre lang —, und dann erzähl’ ich, was aus dem Jons und der Erdme und den zwei hoch hinaus wollenden Töchtern weiter noch wird.
Von der jüngeren, der Urte, ist freilich vorderhand nicht viel zu berichten. Als sie mit siebzehn Jahren nach Königsberg ging, um als Kellnerin einzutreten — denn das sollte die Schwelle sein zu dem künftigen Glück —, da war sie ein appetitliches Marjellchen mit kornblumenblauen Augen und einem süßen Schnauzchen, rund und feucht wie eine betaute und gespaltene Pflaume; aber die Bilder von ihr, die sie inzwischen geschickt hat, zeigen, daß sie schlank und hoch geworden ist und überhaupt wie eine von den schönen Damen, die in dem früheren Hause an den Wänden klebten. Sie schreibt bald von der Pariser Weltausstellung, bald aus dem schönen Italien, sogar von der Spitze des Monte Rosa hat sie eine Ansichtskarte geschickt, obgleich einem dort von der großen Kälte die Finger erklammen.
Sie heißt jetzt auch nicht mehr Urte, sondern Ortrud, und auch Baltruschat heißt sie nicht mehr — so ein litauischer Name ist viel zu gemein für sie —, sondern einmal schreibt sie sich Balté, ein andermal Baldamus und ein drittes Mal sogar wie der katholische heilige Balthasar.
Kurz: man weiß sich vor Stolz nicht zu lassen, wenn man ihrer gedenkt.
Die Katrike allerdings — die ist noch etwas im Rückstand. Sie hat keine Lust gehabt, sich ihr Glück aus der weiten Welt zu holen, und auch daheim läßt es warten, denn ihren Rittergutsbesitzer hat sie immer noch nicht. Woran das liegt, ist schwer zu sagen.
An Schönheit fehlt es ihr nicht. Etwas lang ist sie geraten — das wissen wir schon —, und die Straßenjungen in Heydekrug schreien hinter ihr her: „Kiek — die lange Latte!“ Dafür ruft man sie zu Hause auch „Pusze, Pusze“, das heißt „Miesekatzchen“, und dieser liebliche Name macht viel wieder gut.
An Bildung fehlt es ihr auch nicht. Sie spricht ein sehr feines Deutsch und spitzt den Mund dabei, soviel sie nur kann. Sie sagt zum Beispiel: „Üch bün eune reuche Besützerstochter.“ Und das soll ihr mal einer nachmachen!
Viel tun — tut sie nicht. Hat sie auch nicht nötig. Dafür ist jetzt die Jette da, die Dienstmagd. Eine niederträchtige Kröt’ übrigens. Die spottet der Katrike doch immer nach. Wenn sie über den Hof geht, faßt sie den Unterrock mit zwei Fingerspitzen, wackelt mit dem Hintern und dreht den Kopf wie ein Truthahn. Aber man kann ihr nichts nachweisen.