Die Urte und die Katrike knien im Hemd an der Mutter Bett und kreischen bei jedem Schlage, der das Ladenholz zersplittern will. Und vor der Stubentür steht der Nachbar Witkuhn und ruft durchs Schlüsselloch, sie möchten ganz ruhig sein, er halte das Teschin in der Hand, und wenn der draußen einbräche, so sei es um ihn geschehen.
Aber schließlich entfernt sich der Wüterich, und auch das Winseln und Heulen Petruschkas verstummt nach und nach.
Am nächsten Morgen gibt es ein langes Gespräch zwischen dem Nachbar Witkuhn und der Erdme.
„Gestern dachte ich noch, du würdest zurückkönnen,“ sagt der Nachbar, „aber heute seh’ ich ein, daß die Brücke zerbrochen ist. Nun tu, was du für richtig hältst. Ich werde dir in allem zu Diensten sein, was dein Wunsch ist.“
„Ich weiß nicht aus, nicht ein,“ sagt die Erdme.
Und der Nachbar sagt: „Ich habe es mein Lebenlang für das größte Glück auf Erden gehalten, daß du einmal meine Frau würdest. Aber nun mir plötzlich die Möglichkeit gegeben ist, daß es so werden könnte, da seh’ ich ein, ich bring’ es nicht übers Herz. Denn jeder wird sagen, wie Er es ausschrie heute nacht, daß wir in Buhlschaft gelebt haben alle die Jahre.“
„Beinahe wär’ es ja so gewesen,“ sagt die Erdme.
„Wenn es so gewesen wäre,“ erwidert der Nachbar, „dann hätten wir längst kein Gewissen mehr und keine Scham und würden lachen, wenn die Leute mit Fingern auf uns zeigen. Aber nun schreck’ ich schon zurück bei dem Gedanken, Ihm auf dem Weg zu begegnen.“
„Ich dränge mich niemandem auf,“ sagt die Erdme gekränkt.
„Und ich bin ein alter Mann,“ sagt der Nachbar. „Ich möchte nicht, daß du mir fluchst, wenn du mich auf den Kirchhof trägst.“