Sie schweigt und sieht ihn böse an.

„Nach fünfundzwanzigjährigem Leben — schämst du dich nicht?“

Da legt sie los: mit dem Zaunspfahl hat er sie geschlagen — beinahe das Rückgrat hat er ihr gebrochen — mit Schmutznamen hat er sie belegt — ihren ehelichen Wandel hat er bekotzt — die ehr- und tugendsamen Töchter hat er mißhandeln wollen, und was das Schlimmste ist, das Vieh hat er verhungern lassen, so daß sie es nur durch Rüberholen mit knapper Not errettet hat.

Der Moorvogt sieht sofort: die Sache liegt schlimm für den Jons, und sie ist eine Furie geworden. Mit gut Zureden wird der nicht beizukommen sein. So versucht er es also mit böse: „Weißt du, was ich jetzt tun werde? Ich werd’ dich durch den Gendarm in die Kaluse bringen lassen.“

Aber sie lacht ihn nur aus. „Das können Sie ja. Bloß morgen werd’ ich schon wieder bei Ihnen vorbeigehen.“

„Wenn du dich nur nicht irrst.“

„Warum soll ich mich irren? Er hat ja keinen Antrag gestellt. Und er wird auch gar keinen stellen. Denn hier unter der Wiste hab’ ich das Doktorattest. Darin steht geschrieben, wie schlimm es gewesen ist und daß ich nur durch ein Wunder am Leben bin. Wenn einer in die Kalus’ fliegt, dann ist er es. Und ich zieh’ jetzt zu meiner älteren Tochter. Die wird eine reiche Besitzersfrau. Und morgen wird sie das Aufgebot bestellen kommen. Und wenn ich erst hier ’raus bin, dann kann man mir sonst was.“

Das ist nicht Trotz mehr, das ist offene Auflehnung. Im Laufe der Jahre haben nur wenige ihm so entgegenzutreten gewagt.

„Was du eben gesagt hast, Erdme Baltruschat, das will ich nicht verstanden haben. Aber eins prophezei’ ich dir: der Tag wird kommen, und er ist gar nicht weit, da wirst du dich glücklich preisen, bei dem Jons noch einmal unterkriechen zu können. Wir wollen hoffen, daß er dich dann auch aufnimmt.“

Sie beißt die Zähne zusammen und schwört bei Gott dem Allmächtigen: „Eher geh’ ich und ertränk’ mich im Torfloch.“